Auf den Ton kommt es an - Werkstattgespräch mit Tonmeister Matthias Lempert
Wenn es nicht gerade spektakuläre Soundeffekte sind, wird der Ton im Film oft nicht als künstlerische Leistung wahrgenommen. Für die filigraneren Nuancen des Klangs braucht es ein feines Ohr. Einer der bedeutendsten deutschen Tonmeister ist Matthias Lempert. Bei „Das Licht“ (jetzt im Kino) arbeitete er zum wiederholten Mal mit Tom Tykwer zusammen. Aber auch die Filme von Andres Veiel oder Angela Schanelec profitieren von Lemperts Tongestaltung.
Von Thomas Klein
Musik, Mysterium & Erotik - Anne Fontaine über „Bolero“
Sinnliche, geheimnisvolle Geschichten mag Anne Fontaine, geboren 1959 in Luxemburg, deren Karriere als Filmemacherin nach einem Tanz- und Philosophiestudium in Paris begann, am liebsten, wie sie im Interview erzählt. Nach ihrem Biopic über Coco Chanel widmet sie sich nun mit „Bolero“ einem der bedeutendsten französischen Komponisten, Maurice Ravel, über dessen Leben gar nicht so viel bekannt ist.
Das Gespräch führte Kirsten Liese
Die Sprache der Mächtigen - Burhan Qurbani über „Kein Tier. So wild“
2020 präsentierte Burhan Qurbani mit „Berlin Alexanderplatz“ eine ungewöhnliche Romanadaption, in der er Franz Biberkopf als afrikanischen Flüchtling besetzte. Jetzt läuft sein neuer Film „Kein Tier. So Wild.“ in der Reihe „Berlinale Special“. Auch hier setzt sich der Sohn afghanischer Kriegsflüchtlinge mit einem Klassiker der Weltliteratur auseinander: mit William Shakespeares Königsdrama „Richard III.“ Das spielt im gegenwärtigen Berlin als Krieg zweier arabischer Clans.
Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf
Man zahlt einen hohen Preis - Frauke Lodders über „Gotteskinder“
Evangelikale Christengemeinden sind bislang eher aus den USA bekannt. Doch inzwischen fassen sie auch in Deutschland Fuß. In dem Spielfilm „Gotteskinder“ (ab 30. Januar im Kino) taucht die Regisseurin Frauke Lodders in eine Familie ein, die in einer Freikirche verwurzelt ist. Aus der Sicht ihrer beiden Kinder skizziert sie deren Leben als Mischung aus Menschenfreundlichkeit und patriarchalem Autoritarismus.
Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf
Die Rückkehr des Rächers - Matthieu Delaporte zu „Der Graf von Monte Christo“
Als Team haben Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière erfolgreiche Theaterstücke wie „Der Vorname“ und Drehbücher geschrieben. Nach den Skripten für die zweiteilige Neuverfilmung der „Drei Musketiere“ haben sie mit „Der Graf von Monte Christo“ einen weiteren Romanklassiker von Alexandre Dumas adaptiert und auch selbst Regie geführt. Ein Gespräch mit Matthieu Delaporte über den Film, der fast zehn Millionen Zuschauer in Frankreich hatte, und den Spagat zwischen Originaltreue und Modernisierungen.
Das Gespräch führte Jörg Taszman
Der Albtraum hinter dem American Dream - Interview mit Alonso Ruizpalacios
Alonso Ruizpalacios, Jahrgang 1978, ist einer der vielseitigsten Regisseure Mexikos. Seine Filme „Güeros“ (2014), „Museo“ (2018) und „Ein Polizei-Film“ (2021) wurden auch einem deutschen Publikum bekannt. Sein jüngster Film „La Cocina – Der Geschmack des Lebens“, der erste, der nicht in Mexiko spielt, lief im vergangenen Jahr im Berlinale-Wettbewerb und ist seit 16. Januar in den deutschen Kinos zu sehen.
Das Gespräch führte Wolfgang Hamdorf
Die Sprache des Universums - Thomas Riedelsheimer über „Tracing Light“
In „Tracing Light“ spürt der Dokumentarist Thomas Riedelsheimer dem Phänomen Licht nach und verbindet dabei wissenschaftliche Perspektiven mit künstlerischen Positionen. Im Interview spricht er über seine Faszination fürs Licht, das ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Wahrnehmung ist, aber auch ein Mysterium, das an die Grenzen des Verstehens führt.
Das Gespräch führte Chris Schinke
Terror live - Tim Fehlbaum über „September 5“
Während der Olympischen
Spiele in München nahmen am 5. September 1972 palästinensische Terroristen Mitglieder
des israelischen Teams als Geiseln. In „September 5“ schildert Regisseur Tim
Fehlbaum die Ereignisse aus Sicht von Sportjournalisten des US-Senders ABC und
umkreist damit einen mediengeschichtlichen Markstein: Es war das erste Mal,
dass live von einem Terroranschlag berichtet wurde. Der Film soll auch zum
Nachdenken anregen, wie man selbst Nachrichten konsumiert, betont Fehlbaum im
Interview.
Von Hanns-Georg Rodek
Was Menschen zu Teufeln macht - Magnus von Horn
In seinem Historiendrama „Das Mädchen mit der Nadel“ taucht der schwedische Regisseur Magnus von Horn in die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg ein und entwickelt ein Szenario zwischen Drama und Horrorfilm um die dänische Serienmörderin Dagmar Overby, die vorgab, unehelich geborene Babys gegen Geld an Adoptiveltern zu vermitteln, diese aber tatsächlich ermordete. Ein Gespräch über die Konzeption seines düsteren Schwarz-weiß-Films und stilistische Vorbilder.
Von Michael Ranze
Wohlstand oder Freiheit - Mohammad Rasoulof über „Die Saat des Heiligen Feigenbaums“
Mit seinem Familien- und
Gesellschaftsdrama „Die Saat des Heiligen Feigenbaums“ (Kinostart: 26.12.) ging
der iranische Filmemacher Mohammad Rasoulof ein großes Risiko ein. Sein Film
greift die Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini auf und zeigt ihre
Auswirkungen auf eine Familie, in der sich ein Graben zwischen Eltern und
Töchtern auftut. Nach Fertigstellung des ohne Drehgenehmigung realisierten
Films floh Rasoulof aus dem Iran, um der Verhaftung und einem Berufsverbot zu
entgehen.
Das Gespräch führte Michael Ranze