Psychothriller | USA 2025 | 108 Minuten

Regie: Mimi Cave

Eine Frau, Mutter und Lehrerin führt ein Leben wie aus dem Bilderbuch in einer pittoresken US-Kleinstadt. Doch bei der kleinsten Störung des Idylls glaubt sie an eine groß angelegte Verschwörung. Als sie im Schrank eine Kiste mit merkwürdigen Fotos findet, ist sie sich sicher, dass ihr Ehemann eine Affäre hat. Ihre Detektivarbeit mit Unterstützung eines Kollegen fördert allerdings ganz andere Geheimnisse zutage. Mit Gespür für kleinste atmosphärische Verschiebungen inszenierter und in den Hauptrollen ideal besetzter, satirisch grundierter Psychothriller um eine Ehe voller Doppelmoral. Leider zerfasert das Drehbuch letztlich so, dass auch die beeindruckende Ernsthaftigkeit, mit der die beiden die Bilderbuch-Idylle bröckeln lassen, nichts mehr ausrichten kann. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
HOLLAND
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
42/Amazon Studios/Blossom Films/Churchill Films/United Artists
Regie
Mimi Cave
Buch
Andrew Sodroski
Kamera
Pawel Pogorzelski
Musik
Alex Somers
Schnitt
Martin Pensa
Darsteller
Nicole Kidman (Nancy Vandergroot) · Gael García Bernal (Dave Delgado) · Matthew MacFadyen (Fred Vandergroot) · Jude Hill (Harry Vandergroot) · Jeff Pope (Squiggs Graumann)
Länge
108 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Psychothriller | Thriller
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Psychothriller um eine Frau, die an der Perfektion ihrer vermeintlichen Bilderbuch-Ehe zu zweifeln beginnt und bei der Überwachung ihres Ehemanns unerwartete Geheimnisse entdeckt.

Aktualisiert am
04.04.2025 - 15:21:07
Diskussion

Nancy Vandergroot (Nicole Kidman) führt ein Leben, das zu schön ist, um wahr zu sein: Bilderbuch-Ehe mit dem Zahnarzt Fred (Matthew Macfadyen), Sohn Harry immer adrett und höflich, und ihren Job als Hauswirtschaftslehrerin an der Kleinstadt-High-School macht sie gerne. Das Tüpfelchen auf dem I: Der Ort, in dem sie mit ihrer Familie im Mittleren Westen der USA lebt, heißt Holland und sieht auch aus wie aus einem Reiseprospekt – sonnendurchflutet, voller Tulpen und Windmühlen, und bei den regelmäßigen Stadtfesten schneiden lächelnde Blondinen in weißen Stoffhauben große Käse-Räder an. Doch gleich zu Beginn des Films sagt Nancy mittels Voice-over selbst: Manchmal habe sie gedacht, das alles sei ein Traum gewesen.

Die amerikanische Filmemacherin Mimi Cave hat ein Gespür für kleinste atmosphärische Verschiebungen, die ein Idyll als Fassade entlarven und das dahinter liegende Grauen aufdecken. Bereits in ihrem ersten Spielfilm „Fresh“ (2022) hatte sie sichtlich Freude daran, ein Online-Date zum Serienmörder-Schlachtfest kippen zu lassen. Damals entpuppten sich überlebende Opfer eines kannibalistischen Killers als seine Komplizen. Mit solch moralischen Unvorstellbarkeiten zog Mimi Cave ihrem Publikum den Boden unter den Füßen weg.

Hinter der perfekten Fassade gärt es

In gewisser Weise ist ihr zweiter Film „Holland“ nach dem Drehbuch von Andrew Sodroski ein Gegenstück zu „Fresh“: Nancy erzählt im absichtlich ominösen Intro auch davon, wie ihr Mann Fred sie einst rettete und ihr nun ein Leben ermögliche, das keine Wünsche offenlässt. Was folgt, ist also das große „Aber“, das dieses Idyll in Frage stellt. In diesem perfekten Leben in der perfekten Kleinstadt scheint eben doch irgendetwas nicht zu stimmen, auch wenn Nancy nicht genau sagen kann, was. Unter der Oberfläche gärt und brodelt es, doch bleibt lange offen, wo das Grauen letztlich durchbrechen und wessen Fassade damit einstürzen wird: Ist Nancy Opfer oder Täterin? Hat Fred ein Geheimnis? Und welche Rolle spielt in alldem Nancys Arbeitskollege Dave Delgado (Gael Garcia Bernal), der ganz offensichtlich in sie verliebt ist? Beim Zusehen malt man sich verschiedene Szenarien aus: Alles zwischen der „Truman Show“ (1998) und „Big Little Lies“ (2019) scheint möglich.

Auch Nancy macht sich auf die Suche und wittert bei jeder noch so kleinen Störung ihres Idylls eine groß angelegte Verschwörung: Ein fehlender Ohrring? Die Babysitterin muss eine Diebin sein! Fred reist für ihren Geschmack etwas zu oft auf Kongresse und Tagungen? Ganz klar eine Affäre! Als sie auf der Suche nach dem verlorenen Ohrring eine Kiste mit Polaroid-Fotos findet, ist sie sich sicher, dass Fred sie betrügt, und startet gemeinsam mit Dave eine Beschattungsaktion. Ist diese Frau einem dunklen Geheimnis auf der Spur, oder völlig durchgedreht? Schwer zu sagen.

Nicole Kidman brilliert in einem „Desperate Housewife“-Part

Das liegt vor allem daran, dass Nicole Kidman die ideale Besetzung für die Rolle der Nancy Vandergroot ist: Sie hat sich in den vergangenen Jahren regelrecht spezialisiert auf „Desperate Housewives“ mit scheinbar unantastbaren Fassaden: Angefangen bei „Die Frauen von Stepford“ (2005), „Stoker“ (2013), oder eben der Serie „Big Little Lies“, in der sie als brutal unterdrückte Ehefrau auf den einen Moment der Rache zu warten scheint, oder zuletzt „The Undoing“ (2020), „Ein neuer Sommer“ (2024) und „Babygirl“ (2024). Insofern ist Matthew Macfadyen als ihr Ehemann Fred ähnlich perfekt besetzt: In „Succession“ (2018-2023) verkörperte er den aalglatten Opportunisten Tom Wambsgans, der als Schwiegersohn des Patriarchen und Medienmoguls Logan Roy den unterwürfigen Diener spielt, aber klammheimlich die Strippen zu ziehen beginnt. In manchen Momenten wünscht man sich regelrecht, Nancy könne Fred bald das Handwerk legen – stellvertretend für all die Abscheulichkeiten, die Tom mit seinem schmierigen Lächeln begangen hat.

Aus den Einzelteilen formt sich kein stimmiges Ganzes

Mimi Cave hat also ausreichend Zutaten für einen gelungenen Thriller. Doch will es ihr nicht recht gelingen, die Einzelteile zu einem Ganzen zusammenzusetzen: Drei Viertel seiner Spielzeit braucht „Holland“ allein, um in die Gänge zu kommen, sprich: um Nancy und Dave auf Fred anzusetzen und zu erklären, wer hier wie verrückt ist. Leider zerfasert das Drehbuch dieses Psychothrillers dabei letztlich so, dass auch die beeindruckende Ernsthaftigkeit, mit der Kidman und Macfadyen die Bilderbuch-Idylle bröckeln lassen, nichts mehr ausrichten kann. Dramaturgisch unbeholfen steuert die Inszenierung auf ein großes Finale zu – das kommt dann auch irgendwann, ist jedoch trotz aller Blutigkeit eher beliebig als bissig-böse. Aber bis dahin ist es eigentlich ohnehin schon zu spät, denn zuvor hat man insgeheim bereits eine Weile gehofft, dass es bald vorbei sein möge.

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