Per im Glück
Drama | Dänemark 2018 | 162 Minuten
Regie: Bille August
Filmdaten
- Originaltitel
- LYKKE-PER
- Produktionsland
- Dänemark
- Produktionsjahr
- 2018
- Produktionsfirma
- Nordisk Film Production Den Vestdanske Filmpulje/FilmFyn/Public Service Puljen/TV2 Danmark
- Regie
- Bille August
- Buch
- Anders Frithiof August · Bille August
- Kamera
- Dirk Brüel
- Musik
- Lorenz Dangel
- Schnitt
- Janus Billeskov Jansen · Anne Østerud
- Darsteller
- Esben Smed (Per) · Benjamin Kitter (Ivan Salomon) · Julie Christiansen (Nanny Salomon) · Tommy Kenter (Phillip Salomon) · Tammi Øst (Lea Salomon)
- Länge
- 162 Minuten
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 14.
- Genre
- Drama | Historienfilm
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Literaturverfilmung von Bille August nach einem Roman des Nobelpreisträgers Henrik Pontoppidan.
Peter Sidenius mag zwar noch sehr jung sein. Doch seine Genialität steht für ihn außer Frage. Der Brief von der polytechnischen Universität, den er in den windigen Dünen Jütlands öffnet, teilt ihm seine Aufnahme für das Ingenieurstudium mit. Genugtuung überkommt ihn. Sein strenger Vater, ein klerikaler Mann Gottes, hat wenig Verständnis. Für ihn ist Per, wie der Junge sich bald nennt, längst vom Pfad der Gerechten abgekommen. „Ruhelos sei der, der dem Herrn trotzt“, droht er seinem Sohn zum Abschied.
Doch an diesen unbarmherzigen Gott, den sein pietistischer Vater anbetet, glaubt Per schon als Jugendlicher nicht mehr. Grenzenloses Zutrauen verspürt er durchaus, allerdings nur zu sich selbst. Seine Sturheit und alle Unbeugsamkeit benötigt er für den Auszug ins ferne Kopenhagen. Dort angekommen, haust er zunächst mittellos auf einem Dachboden. An der Uni fällt er rasch durch Ehrgeiz auf. Per hat Großes vor, möchte zur Energiegewinnung die Naturkräfte von Wasser und Wind nutzbar machen. „Ein Kanalsystem, das durch Jütland führt und die beiden Meere miteinander verbindet“. Dafür braucht er Mäzene, und die findet er in der jüdischen Familie Salomon: „Ich hörte, Sie sind auf der Suche nach neuen Genies“, stellt er sich großspurig vor.
Opulente Epen ohne Scheu vor Pathos
In dem Drama „Per im Glück“ („Lykke-Per“) führt der dänische Regisseur Bille August die markantesten Eigenschaften des Protagonisten gleich zu Beginn vor Augen: Großmannssucht, grenzenloses Selbstvertrauen, aber auch ein eklatanter Mangel an diplomatischem Geschick. August hat sich mit internationalen Literaturverfilmungen einen Namen gemacht. Oft waren es opulent ausgestattete Epen, die das Pathos nicht scheuten. Sein größter Erfolg war ihm mit dem so illustren Familiendrama „Das Geisterhaus“ nach Isabel Allende beschieden. Aber auch skandinavischer Stoffe wie Peter Hoegs „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ oder Selma Lagerlöfs „Jerusalem“ hat sich August angenommen. Mit „Per im Glück“ verfilmt August nun ein Epos des dänischen Romanciers Henrik Pontoppidan.
Der trotz des Literaturnobelpreises im Jahr 1917 außerhalb Dänemarks dem kollektiven Vergessen anheimgefallene Autor schildert darin in naturalistischer Ausführlichkeit das rastlose Leben des Ingenieurs Peter Sidenius. Der deutsche Filmtitel „Per im Glück“ – die Romanübersetzung heißt im Verweis auf das Grimm’sche Märchen „Hans im Glück“ – führt allerdings ebenso in die Irre wie der Romantitel. Denn auch wenn Per bei aller Eigensucht sich selbst und manchmal auch andere davon überzeugen kann, ein Genie zu sein: glücklich wirkt er nie, nicht einmal auf dem Höhepunkt seiner Liebe zur Kaufmannstochter Jakobe.
Ein moderner Utopist
In dem mit 162 Minuten viel zu lang geratenen, dafür aber sorgfältig ausgestatteten Kostümfilm passiert kaum etwas Unerwartetes. Alles an den Figuren scheint schon immer unverrückbar dagewesen zu sein. Was heute äußerst vertraut klingt, Energieunabhängigkeit, Wind- und Wasserkraft, gilt Pers Zeitgenossen jedoch als Fantasterei. Wie er seine Pläne genau umsetzen will, wird abseits komplexer geometrischer Zeichnungen nie recht deutlich. Pontoppidans Per wirkt heute ebenso aus der Zeit gefallen wie Bille Augusts Verfilmung. Wenn ihn Seelennöte plagen, wankt er, wie in der Bierwerbung, durch windzerzaustes Dünengras. Sein späterer Verfall spiegelt sich in einem Zottelbart. Esben Smad spielt ihn eindringlich als Getriebenen, der seinem Sohn bald ebenso fremd ist, wie dem einst sein verhasster Vater – der Vertreter einer Kirche, welche die Menschen für sich zu gewinnen versuchte, indem sie ihnen Angst einjagt. Zu Kreuze kriechen und dabei hochmütig bleiben, das verträgt sich eben nicht.