Eden
Abenteuer | USA 2024 | 129 Minuten
Regie: Ron Howard
Filmdaten
- Originaltitel
- EDEN
- Produktionsland
- USA
- Produktionsjahr
- 2024
- Produktionsfirma
- AGC Studios/Imagine Ent.
- Regie
- Ron Howard
- Buch
- Noah Pink
- Kamera
- Mathias Herndl
- Musik
- Hans Zimmer
- Schnitt
- Matt Villa
- Darsteller
- Jude Law (Friedrich Ritter) · Ana de Armas (Baroness Eloise Bosquet de Wagner-Wehrhorn) · Daniel Brühl (Heinz Wittmer) · Sydney Sweeney (Margret Wittmer) · Vanessa Kirby (Dore Strauch)
- Länge
- 129 Minuten
- Kinostart
- 03.04.2025
- Fsk
- ab 16; f
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 16.
- Genre
- Abenteuer | Biopic | Drama | Thriller
- Externe Links
- IMDb | TMDB
Auf der entlegenen Galápagos-Insel Floreana geraten in den 1930er-Jahren eine Handvoll deutscher Aussteiger aneinander, als eine neue Siedlerin ein Luxushotel errichten möchte.
Wie schon öfter ließ sich der Hollywood-Routinier Ron Howard bei seinem starbesetzten Thriller „Eden“ von einer wahren Begebenheit inspirieren, die Menschen in eine existentielle Ausnahmesituation wirft. Der reale Hintergrund des Drehbuchs führt in die Umbruchzeit zwischen den beiden Weltkriegen und auf die entlegene Galapagos-Insel Floreana, wo sich acht europäische Aussteiger in einen Überlebenskampf verbeißen.
Die „True Crime“-Geschichte im Pazifik wurde bereits in dem Roman „The Galapagos Affair“ von John Treherne und in einem gleichnamigen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2013 thematisiert, dessen knalliger Untertitel „Satan Came to Eden“ gut zum dramaturgisch zugespitzten Spielfilm von Howard passen würde. Paradiesisch ist das Aussteigerleben in „Eden“ nämlich ganz und gar nicht, sondern ein Nährboden für tiefe zwischenmenschliche Abgründe.
Es geht ans Eingemachte
Angespannt ist bereits die Begegnung der ersten Siedler, die sich auf Floreana niederlassen. Seit 1929 leben dort der deutsche Arzt und Philosoph Friedrich Ritter (Jude Law) und seine Geliebte Dore Strauch (Vanessa Kirby). Im Winter 1932 erreichen auch der Veteran Heinz Wittmer (Daniel Brühl), dessen junge Frau Margret (Sydney Sweeney) und Sohn Harry (Jonathan Tittel) das Eiland. Erst sind die Neuankömmlinge unwillkommen, doch dann arrangieren sich die Paare halbwegs miteinander. Die Wittmers trotzen den extremen Bedingungen mit bewundernswerter Anpassungsfähigkeit. Zudem ähneln sich die Motivationen beider Parteien: Ritter will Dore von ihrer Multiplen Sklerose heilen, die Wittmers hoffen auf eine Erholung ihres lungenkranken Sohns.
Die Ankunft der selbsternannten Baronin Eloise Bosquet de Wagner-Wehrhorn (Ana de Armas), die sich von ihren Liebhabern (Felix Kammerer, Toby Wallace) über den Strand tragen lässt, verhärtet jedoch die Fronten. Ohne konkreten Plan will die Baroness auf der Insel ein Luxushotel errichten. Doch die raue Witterung zwingt sie und ihre Begleiter in die direkte Nachbarschaft der Wittmers. Während diese eine solide Hütte mit florierender Selbstversorgung bewohnen, hausen die Neuankömmlinge in einem Zeltlager. Als die Vorräte schwinden, geht es ums Eingemachte.
Die Utopie verkommt zur Hölle
Was als Utopie gedacht ist, verkommt binnen eines Jahres zum Schauplatz dreister Manipulationen, Gier und Mord. Aus Demokratie werde Faschismus, aus Faschismus Krieg, meint Ritter, der auf der Insel über Nietzsche schreibt – und der Ablauf der Ereignisse exerziert diese Kette durch. Wie in einem Western kämpfen die Pioniere ums Überleben an der „Frontier“.
Ron Howard zeigt das Menschsein von seiner hässlichen Seite; mindestens eine Terrorszene, in der Margret allein ein Kind zur Welt bringt und dabei von Dieben belauert wird, schlägt in puren Horror um. Ansonsten nutzt Howard viel schwarzen Humor. Geradezu absurde Züge nimmt ein scheinheiliges Abendessen aller Beteiligten an, da der Weg von den Psychospielen in den Wahnsinn längst begonnen hat.
„Eden“ ist gekonnt ausgestattet und darstellerisch intensiv, auch wenn der Akzent der „Deutschen“ irritiert. Einen schönen Verweis auf den historischen Kontext bietet der Besuch einer Expeditionsgruppe, die Stummfilmaufnahmen der Exilanten anfertigt. Die maritime Natur nutzt Howard als Spiegelbild: Kurze Szenen von Jägern und Gejagten illustrieren das Überleben des Stärkeren; und im Zeitraffer verfaulendes Obst unterstreicht die moralische Verderbtheit. Der Vulkanausbruch auf einer Nachbarinsel macht zudem unmissverständlich klar, dass es bald zur Eruption kommt. Ein regelrechter Anti-Wohlfühlfilm, in dem der Mensch des Menschen Wolf ist.