„Sie sind ein Grübler über den Tod, wie schon Ihr ‘Sterben’ zeigte. Die Hälfte Ihrer Produktion ist Thanatos, die Hälfte Eros gewidmet“, schrieb der dänische Kulturkritiker Georg Brandes 1906 Österreichs dichtendem Medikus. Arthur Schnitzlers Antwort folgte stante pede: „Sie sagen, dass meine Arbeiten eine so große Spannweite haben, weil ein Teil dem Tod, der andere der Liebe gewidmet sein. Kein Wunder. In dieser Spannweite hat nicht mehr und nicht weniger Platz als das Leben.“ Ein stolzes Diktum. Doch Arthur Schnitzler (15.5.1962-21.10.1931) vermochte tatsächlich, die auf ewig daseinsimmanente Trias aus Lieben, Träumen und Sterben in eine singuläre stilistische Vollendung zu fügen. Sein Werk ist eine einzige poetische Entsprechung des Menschenlebens schlechthin, dessen Tiefe er mit gleichermaßen psychologischem und ästhetischem Scharfsinn erfasste. Vielleicht war es diese Qualität, die den am 7. März kurz nach Fertigstellung seines letzten Films „Eyes Wide Shut“ überraschend verstorbenen Meisterregisseur Stanley Kubrick bewogen hat, Schnitzlers „Traumnovelle“ für die Leinwand zu adaptieren.