Vor seinen Gefühlen kann man letztendlich nicht davonlaufen. Aber viele Menschen, die Sport machen, wissen, dass die körperliche Bewegung der Psyche durchaus auf die Sprünge helfen und dabei unterstützen kann, neue Perspektiven zu finden. Darum geht es in dem Film "Laufen", den der Regisseur Rainer Kaufmann nach einem Drehbuch von Silke Zertz inszeniert hat.
Die Cellistin Juliane (Anna Schudt) versinkt nach dem Selbstmord ihres depressiven
Lebensgefährten in Trauer. Ihre beste Freundin und eine Therapeutin
stehen ihr bei, doch lastet der Tod ihres Partners so bleischwer auf Juliane, dass sie ihr lange kaum helfen können.
Doch dann rafft sich die Musikerin ein Jahr nach dem Selbstmord auf und beginnt, regelmäßig zu laufen. Zunächst ist das hart. Neben der Seele schmerzen nun auch die Knie, und die Erinnerungen an den Toten, der Kummer, aber auch die Wut über seinen Selbstmord laufen immer mit und lassen sich nicht abschütteln. Und doch löst sich eine Erstarrung; die körperliche Anstrengung bewirkt, dass Juliane sich ihrem Schmerz stellen kann.
Das sensible Drama nach einem Roman von Isabel Bogdan bricht den inneren Monolog seiner Vorlage auf und übersetzt ihn in eine vielschichtig zwischen Zeitebenen springende Struktur. Die aufmerksame Kameraarbeit, eine sorgfältige Inszenierung und eine brillante Hauptdarstellerin spannen die Studie von Schock, Überforderung und Neubeginn mit außergewöhnlicher Intensität auf. - Sehenswert ab 14.