Film Inspirationen

Demokratie

Freiheit, Gleichheit, Mitmenschlichkeit sind die Grundpfeiler der Demokratie. Doch das versteht sich nicht mehr von selbst. Dabei könnte man aus Filmen so viel darüber lernen.

Die Demokratie steht in vielen Ländern massiv unter Druck. Rechte Regierungen untergraben die Gewaltenteilung. Der Rechtsstaat wird ausgehöhlt, die Unabhängigkeit der Justiz eingeschränkt. Und die Willensbildung der Menschen durch den Einsatz von KI und anderen Web-Techniken manipuliert. 

Besonders krass lässt sich das derzeit in der USA beobachten, wo sich die neue Regierung nicht länger um die bisherigen Gepflogenheiten schert, sondern viele über Jahrzehnte entwickelte Regeln in Wildwest-Manier mutwillig zerstört.

Wohin das führt, hat man in der Geschichte schon vielfach erlebt. Auch das Kino hat solche Entwicklungen in drastischsten Farben ausgemalt. Um so wichtiger wäre es, sich an die Visionen und Verheißungen eines Lebens von freien, gleichen und solidarischen Menschen zu erinnern, die sich nicht länger von anderen knechten lassen.  25 Filme bieten dafür vielfältiges Anschauungsmaterial.

Deutschland 2015 | R: David Bernet

Democracy

Im Herbst 2013 verabschiedete das Europäische Parlament einen Entwurf für ein Datenschutzgesetz, das im Widerstreit zwischen dem Schutz der Privatsphäre, ökonomischen Zukunftsoptionen, Lobbyismus und Zivilgesellschaft für die Rechte des Individuums plädiert. Dem Beschluss ging ein langes Ringen voraus, das der packende, formal ambitionierte Dokumentarfilm mit bewundernswerter Klarheit und großer innerer Spannung nachzeichnet. Darüber hinaus plädiert er nachdrücklich für eine europäische Gesetzgebung als Regulativ gegenüber nationalen Egoismen sowie der Dominanz reiner Zweckrationalität. - Sehenswert ab 16.
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Schweiz 2017 | R: Petra Volpe | Mit: Marie Leuenberger

Die göttliche Ordnung

Anfang der 1970er-Jahre wandelt sich eine Hausfrau aus einem Dorf im Appenzellischen unter dem Einfluss der Debatte um das Frauenwahlrecht in der Schweiz zur sanften Streiterin für die Sache. Hintersinnige Tragikomödie, die auf authentischen Erlebnissen beruht, was sich in der stimmungsvollen Verdichtung von Geist und Atmosphäre der damaligen Zeit manifestiert. Die erfrischende, ausgesprochen unterhaltsame Lektion in Sachen direkter Demokratie erzählt nebenbei die Geschichte der sexuellen Revolution in der Schweiz. - Sehenswert ab 14.

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Chile 2012 | R: Pablo Larraín | Mit: Gael García Bernal

No!

Vor der Volksabstimmung im Sommer 1988 in Chile streitet die Opposition über die richtige PR-Strategie. Ein junger Marketingexperte in Santiago de Chile schlägt vor, den Menschen die Angst zu nehmen und Optimismus zu verbreiten. Ein dynamisches Drama mit vielschichtigen Figuren und einer ambitionierten Ästhetik, das umsichtig und klug die jüngere Zeitgeschichte rekonstruiert und davon erzählt, wie die demokratischen Kräfte über ein medial bestens ausgerüstetes Regime triumphieren. Fern eines vorschnell triumphierenden Bürgerrechtsepos à la Hollywood, bleibt hinter allem Humor und aller Situationskomik die Brutalität der Diktatur stets bewusst. - Ab 14.

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Ukraine 2014 | R: Sergej Loznitsa

Maidan

Meisterhafter Dokumentarfilm über die Ereignisse auf dem Maidan-Platz in Kiew, wo ab Ende November 2013 Hunderttausende friedlich gegen die Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens der Regierung Janukowytsch protestierten. Zwei Monate später eskaliert die Lage auf dem Platz, als Sondereinheiten der Polizei den Maidan gewaltsam räumen wollen. Die Spannung zwischen der betont sachlichen Form und den aufpeitschenden Emotionen auf der subtil gestalteten Tonspur lassen das Entstehen einer Revolution hautnah miterleben. - Sehenswert ab 14.

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Deutschland 2020 | R: Torsten Körner

Die Unbeugsamen

Filmische Fortsetzung des Buches „In der Männer-Republik: Wie Frauen die Politik eroberten“ (2020), in dem mit viel Archivmaterial und aktuellen Interviews der steinige Weg von Frauen nachgezeichnet wird, die die Bonner Republik nicht den Männern überlassen wollten. Die vorzüglich recherchierte Dokumentation aus den Untiefen des selbstherrlichen Patriarchats setzt den Vorkämpferinnen der parlamentarischen Gleichbehandlung ein Denkmal. In den chronologisch angeordneten tragikomischen Erinnerungen spiegelt sich eine misogyne Ära, die schlicht fassungslos macht. - Ab 14.
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Deutschland 2018 | R: Marie Wilke

Aggregat

Der essayistische Film spürt den politischen Umbrüchen und tektonischen Veränderungen der parlamentarischen Demokratie nach, die von vielen Seiten unter Druck geraten ist. Mit nüchterner Distanz beobachtet der Film Situationen, in denen sich Politiker, Bürger und Journalisten mit ihrer Rolle in diesem Prozess auseinandersetzen. Die herausfordernde Collage entwirft ein facettenreiches Panorama gesellschaftlicher Momentaufnahmen, die sich zur meisterhaften Zeitdiagnose verdichten. - Sehenswert ab 16.

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Deutschland 2021 | R: Franz Böhm

Dear Future Children

Drei junge Frauen aus Chile, Uganda und Hongkong kämpfen mit großem Einsatz und durchaus wehrhaft für Demokratie und Meinungsfreiheit, soziale Gerechtigkeit und eine lebenswerte Umwelt. Der Film heftet sich an ihre Fersen und stürzt sich mit ihnen mitten in Demonstrationen und andere Aktionen. Jenseits von Sensationshascherei und Agitation finden die aufwühlenden Porträts eine authentische Ebene, die das Engagement der drei Frauen begreiflich macht, ohne sie zu heroisieren. - Ab 14.
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USA 2020 | R: Jesse Moss

Boys State

Um zu lernen, wie Demokratie funktioniert, nehmen in den USA tausende Jugendliche an einwöchigen Kursen teil, bei sie die Prozesse demokratischer Meinungsfindung und Regierungsbildung nachspielen. Die Filmemacher beobachten ein 2018 stattgefundenes „Texas Boys State“-Camp, wobei unterschiedliche Jugendliche im Fokus stehen. Ihr kurzweiliger Dokumentarfilm gibt Einblick in eine Form der politischen Bildung und in die Funktionsweisen des politischen Systems des USA und macht mitunter auch entlarvend dessen Schwächen sichtbar. Allerdings bleiben diverse Fragen offen, weil sie über das konkrete Event hinaus wenig kontextualisieren oder kritisch hinterfragen. - Ab 12.

USA 2012 | R: Steven Spielberg | Mit: Daniel Day-Lewis

Lincoln

Kammerspielartig aufbereitetes Porträt des US-Präsidenten Abraham Lincoln (1809-1865), das auf einen konkreten politischen Vorgang fokussiert: auf Lincolns Versuch, im Jahr 1865 noch während des Sezessionskriegs die Abschaffung der Sklaverei durchzusetzen. Eine präzise, vorzüglich gespielte Einlassung auf einen politischen Prozess um Rede- und Streitkultur, der durchaus auch auf heutige Zustände übertragbar ist. - Sehenswert ab 16.

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USA 2024 | R: Edward Berger | Mit: Ralph Fiennes

Konklave

Nachdem der Papst unter nicht ganz geklärten Umständen gestorben ist, leitet einer der Kardinäle die Vorbereitungen zur Wahl eines Nachfolgers. Unter den aus aller Welt angereisten Kardinälen brechen beim Konklave weltanschauliche Gräben auf. Im Kampf um die Macht wird intrigiert und betrogen. Der enorm spannende Thriller verknüpft seine Handlung geschickt mit aktuellen kirchenpolitischen Debatten. - Sehenswert ab 14.

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USA 1939 | R: Frank Capra | Mit: James Stewart

Mr. Smith geht nach Washington

Der kämpferische Idealismus eines naiven aufrichtigen Mannes, den parlamentarische Drahtzieher für einen willfährigen Strohmann halten, reinigt den amerikanischen Senat von Korruption und Schiebertum. Capras berühmte Gesellschaftssatire, die sich für Demokratie und Freiheit des Individuums einsetzt, überzeugt vor allem durch die gelungene Mischung von Scherz und Ernst sowie die hervorragende Darstellung. - Sehenswert ab 12.
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USA 1948 | R: Frank Capra | Mit: Spencer Tracy

Der beste Mann (1948)

Verfilmung eines Bühnenstücks, das sich mit der politischen und gesellschaftlichen Situation im Amerika der 1940er-Jahre auseinandersetzt. Ein reicher Industrieller wird von seiner skrupellosen Geliebten dazu verleitet, sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen. Bald sieht er sich in einem Konflikt zwischen Idealismus und Ehrgeiz. Im letzten Moment entscheidet er sich gegen Manipulation und Bestechung. Treffend inszeniert, in der Darstellung ganz ausgezeichnet. - Ab 16.
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USA 1976 | R: Alan J. Pakula | Mit: Dustin Hoffman

Die Unbestechlichen (1976)

Zwei amerikanische Journalisten, die hartnäckig und gegen starke Widerstände eine zunächst vage Spur verfolgen, decken ein Komplott in höchsten Regierungskreisen auf. Kriminalfilm vor dem Hintergrund des authentischen Watergate-Skandals, der 1974 zum Sturz Nixons führte. Spannend, wenn auch etwas zerdehnt inszeniert, ausgezeichnet gespielt. Obwohl nur wenig über politische Fakten und Journalismus informiert wird, ein Polit-Thriller von hoher Qualität und Dichte. - Ab 14.

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USA 1961 | R: John Ford | Mit: James Stewart

Der Mann, der Liberty Valance erschoß

Ein Senator macht Karriere, nachdem er in einem Duell den berüchtigten Banditen Liberty Valance erschossen und damit die Willkürherrschaft der Revolverhelden in einer Kleinstadt beendet hat. Jahre später stirbt ein ehemaliger Freund, der seinerzeit mit ihm um die Gunst seiner späteren Ehefrau konkurriert hatte. Bei dieser Gelegenheit enthüllt der Senator vor Journalisten, dass nicht er, sondern der Rivale den Banditen tötete. - Sehenswert ab 14.

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Deutschland 2012 | R: Andreas Dresen

Herr Wichmann aus der dritten Reihe

Zweiter Dokumentarfilm über den CDU-Politiker Henryk Wichmann. Er begleitet ihn bei seiner Arbeit im Brandenburger Landtag, ist aber auch in der Uckermark mit vor Ort, wenn der Abgeordnete sich mit regionalen Konflikten und bisweilen sehr partikularen Problemen herumschlägt. Dramaturgisch humorvoll aufgearbeitet, untersucht der Film das Funktionieren deutscher Politik an der Basis und insbesondere das Verhältnis der Bürger zur politischen Klasse. Dabei wird nicht nur der Abgeordnete porträtiert, sondern indirekt auch den Bürgern ein kritischer Spiegel vorgehalten. - Sehenswert ab 12.

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USA 1958 | R: John Ford | Mit: Spencer Tracy

Das letzte Hurra

Eine Satire aus dem Bereich amerikanischer Kleinstadtpolitik. Der erfahrene Bürgermeister unterliegt der mit Geld gesteuerten Wahlkampagne seiner Gegner und stirbt darüber. Der selbstironische Stil ist gelegentlich überzeichnet, die Sterbeszene ist pathetisch. Dennoch ist der Film inhaltlich und in der sorgfältigen Gesamtgestaltung bemerkenswert, wobei die herzerfrischende Darstellung de Hauptdarsteller die menschliche Wärme der Produktion abrundet. - Ab 16.

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USA 1995 | R: Rob Reiner | Mit: Michael Douglas

Hallo, Mr. President

Der amerikanische Präsident verliebt sich in eine Umweltschutz-Aktivistin und versucht, sein Glück vor der Öffentlichkeit zu schützen, bis er in einer bewegenden Rede sein Schweigen bricht. Eine vorzüglich inszenierte und gespielte Komödie, die zwar kein wirkliches politisches Engagement zeigt, ihre Idee aber intelligent und pointiert entwickelt. - Sehenswert ab 12.
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Deutschland 2002 | R: Andreas Dresen

Herr Wichmann von der CDU

Dokumentarfilm über den Wahlkampf eines Bundestagskandidaten der CDU, der in der brandenburgischen Uckermark auf verlorenem Posten steht und zunehmend verdrossen Werbung in eigener Sache macht. Der hellsichtige und zugleich erhellende Film ist ein Glücksfall für den politischen Dokumentarismus, der über den konkreten Einzelfall hinaus auch die fundamentale Krise der bundesdeutschen Demokratie reflektiert. - Sehenswert ab 14.

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Österreich 2018 | R: Ruth Beckermann

Waldheims Walzer

Die Kandidatur und spätere Wahl des früheren UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten war Mitte der 1980er-Jahre von intensiven Auseinandersetzungen um seine NS-Vergangenheit begleitet. Der Kompilationsfilm rekonstruiert die Affäre entlang von Archivaufnahmen, ORF-Material und eigenen Aufnahmen der Regisseurin Ruth Beckermann. Der glänzende Filmessay zeichnet dabei nicht nur das öffentliche Ringen um eine angemessene historische Erinnerung nach, sondern arbeitet die Abwehr politischer Verantwortung als Folge mangelnder Selbstkritik heraus. - Sehenswert ab 14.
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Deutschland 2014 | R: Nancy Brandt

Die Gewählten

Fünf hochmotivierte junge Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Parteien werden 2009 erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt. Der Dokumentarfilm begleitet sie während der vierjährigen Legislaturperiode 2009-2013 und beobachtet ihre Versuche, im politischen Betrieb Fuß zu fassen. Der sympathische Dokumentafilm plädiert gegen Politik- und Politiker-Verdrossenheit. Formal eher etwas zu brav, wirft er dennoch sehr erhellende biografische Blicke ins parlamentarische Getriebe. - Ab 14.

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Deutschland 2021 | R: Christoph Eder

Wem gehört mein Dorf?

Der Dokumentarist Christoph Eder beobachtet über fünf Jahre hinweg das Ringen seines Heimatortes Göhren auf der Insel Rügen um die Gestaltung des Tourismus, von dem hier nahezu alle leben. Gegen den Einfluss eines Investors formiert sich zaghafter Widerstand. Es gründet sich eine Bürgerinitiative, die bei der Kommunalwahl 2019 mit eigenen Kandidaten antritt. Mit persönlicher Nähe, aber auch gelassener Aufmerksamkeit zeichnet der Film ein fast exemplarisches Bild vom Erwachen des Bürgersinns, der die Belange des öffentlichen Lebens in die eigenen Hände nimmt. - Ab 14.

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USA 2020 | R: Lisa Cortes

All In - The Fight for Democracy

2018 trat die afroamerikanische Politikerin Stacey Abrams als Kandidatin der Demokraten bei den Gouverneurswahlen im Bundesstaat Georgia an und unterlag knapp dem konservativen republikanischen Gegenkandidaten – nachdem zahlreiche Wähler daran gehindert worden waren, ihre Stimme abzugeben. Doku über das US-amerikanische Wahlsystem, in dem Minderheiten systematisch diskriminiert werden. - Ab 14.

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USA 2023 | R: Alexandra Pelosi

The Insurrectionist Next Door

Die US-Journalistin Alexandra Pelosi, Tochter von Nancy Pelosi, der ehemaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, spürt den Motiven der Aufrührer nach, die am 6. Januar 2021 das US-Kapitol stürmten. In einer Reihe von Interviews streitet sie mit Menschen, die an den gewalttätigen Ausschreitungen beteiligt waren, und forscht nach den sozialen und ideologischen Hintergründen. - Sehenswert ab 14.

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Bhutan 2023 | R: Pawo Choyning Dorji | Mit: Tandin Wangchuk

Was will der Lama mit dem Gewehr?

2006 wandelt sich der Himalaya-Staat Bhutan zu einer parlamentarischen Monarchie. Bevor es zu den ersten Wahlen kommt, beauftragt ein buddhistischer Lama aus einem Bergdorf einen jungen Mönch, für eine Zeremonie ein Gewehr zu besorgen. Warmherziger Film, der Road Movie, Politsatire und Komödie kombiniert. Er besticht durch lakonischen Humor und den zärtlichen Blick auf die Figuren mit ihren menschlichen Schwächen, die sich einfallsreich und mit bewundernswerter Gelassenheit auf das Abenteuer Demokratie einlassen. - Ab 14.

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USA 2020 | R: Paul Greengrass | Mit: Tom Hanks

Neues aus der Welt

Um 1870 tingelt ein US-Veteran der Konföderierten als Nachrichtenbote durch den von ideologischen Gräben des Bürgerkriegs gezeichneten Westen der USA. Als er in Texas auf ein zehnjähriges Mädchen stößt, das von Kiowas großgezogen wurde, will er die Kleine zu ihren Verwandten eskortieren. Im Gewand eines klassischen Westerns erzählt der Film eine Parabel über historische Verantwortung und die zentrale Rolle der Kommunikation für das Gelingen von Demokratie. - Sehenswert ab 14.

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