Demokratie
Freiheit, Gleichheit, Mitmenschlichkeit sind die Grundpfeiler der Demokratie. Doch das versteht sich nicht mehr von selbst. Dabei könnte man aus Filmen so viel darüber lernen.
Die Demokratie steht in vielen Ländern massiv unter Druck. Rechte Regierungen untergraben die Gewaltenteilung. Der Rechtsstaat wird ausgehöhlt, die Unabhängigkeit der Justiz eingeschränkt. Und die Willensbildung der Menschen durch den Einsatz von KI und anderen Web-Techniken manipuliert.
Besonders krass lässt sich das derzeit in
der USA beobachten, wo sich die neue Regierung nicht länger um die bisherigen Gepflogenheiten schert, sondern viele über Jahrzehnte entwickelte Regeln in Wildwest-Manier mutwillig zerstört.
Wohin das führt, hat man in der Geschichte schon vielfach erlebt. Auch das Kino hat solche Entwicklungen in drastischsten Farben ausgemalt. Um so wichtiger wäre es, sich an die Visionen und Verheißungen eines Lebens von freien, gleichen und solidarischen Menschen zu erinnern, die sich nicht länger von anderen knechten lassen. 25 Filme bieten dafür vielfältiges Anschauungsmaterial.
Deutschland 2015 | R: David Bernet
Democracy
Schweiz 2017 | R: Petra Volpe | Mit: Marie Leuenberger
Die göttliche Ordnung
Anfang der 1970er-Jahre wandelt sich eine Hausfrau aus einem Dorf im Appenzellischen unter dem Einfluss der Debatte um das Frauenwahlrecht in der Schweiz zur sanften Streiterin für die Sache. Hintersinnige Tragikomödie, die auf authentischen Erlebnissen beruht, was sich in der stimmungsvollen Verdichtung von Geist und Atmosphäre der damaligen Zeit manifestiert. Die erfrischende, ausgesprochen unterhaltsame Lektion in Sachen direkter Demokratie erzählt nebenbei die Geschichte der sexuellen Revolution in der Schweiz. - Sehenswert ab 14.
Chile 2012 | R: Pablo Larraín | Mit: Gael García Bernal
No!
Vor der Volksabstimmung im Sommer 1988 in Chile streitet die Opposition über die richtige PR-Strategie. Ein junger Marketingexperte in Santiago de Chile schlägt vor, den Menschen die Angst zu nehmen und Optimismus zu verbreiten. Ein dynamisches Drama mit vielschichtigen Figuren und einer ambitionierten Ästhetik, das umsichtig und klug die jüngere Zeitgeschichte rekonstruiert und davon erzählt, wie die demokratischen Kräfte über ein medial bestens ausgerüstetes Regime triumphieren. Fern eines vorschnell triumphierenden Bürgerrechtsepos à la Hollywood, bleibt hinter allem Humor und aller Situationskomik die Brutalität der Diktatur stets bewusst. - Ab 14.
Ukraine 2014 | R: Sergej Loznitsa
Maidan
Meisterhafter Dokumentarfilm über die Ereignisse auf dem Maidan-Platz in Kiew, wo ab Ende November 2013 Hunderttausende friedlich gegen die Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens der Regierung Janukowytsch protestierten. Zwei Monate später eskaliert die Lage auf dem Platz, als Sondereinheiten der Polizei den Maidan gewaltsam räumen wollen. Die Spannung zwischen der betont sachlichen Form und den aufpeitschenden Emotionen auf der subtil gestalteten Tonspur lassen das Entstehen einer Revolution hautnah miterleben. - Sehenswert ab 14.
Deutschland 2020 | R: Torsten Körner
Die Unbeugsamen
Deutschland 2018 | R: Marie Wilke
Aggregat
Der essayistische Film spürt den politischen Umbrüchen und tektonischen Veränderungen der parlamentarischen Demokratie nach, die von vielen Seiten unter Druck geraten ist. Mit nüchterner Distanz beobachtet der Film Situationen, in denen sich Politiker, Bürger und Journalisten mit ihrer Rolle in diesem Prozess auseinandersetzen. Die herausfordernde Collage entwirft ein facettenreiches Panorama gesellschaftlicher Momentaufnahmen, die sich zur meisterhaften Zeitdiagnose verdichten. - Sehenswert ab 16.
Deutschland 2021 | R: Franz Böhm
Dear Future Children
USA 2020 | R: Jesse Moss
Boys State
USA 2012 | R: Steven Spielberg | Mit: Daniel Day-Lewis
Lincoln
Kammerspielartig aufbereitetes Porträt des US-Präsidenten Abraham Lincoln (1809-1865), das auf einen konkreten politischen Vorgang fokussiert: auf Lincolns Versuch, im Jahr 1865 noch während des Sezessionskriegs die Abschaffung der Sklaverei durchzusetzen. Eine präzise, vorzüglich gespielte Einlassung auf einen politischen Prozess um Rede- und Streitkultur, der durchaus auch auf heutige Zustände übertragbar ist. - Sehenswert ab 16.
USA 2024 | R: Edward Berger | Mit: Ralph Fiennes
Konklave
Nachdem der Papst unter nicht ganz geklärten Umständen gestorben ist, leitet einer der Kardinäle die Vorbereitungen zur Wahl eines Nachfolgers. Unter den aus aller Welt angereisten Kardinälen brechen beim Konklave weltanschauliche Gräben auf. Im Kampf um die Macht wird intrigiert und betrogen. Der enorm spannende Thriller verknüpft seine Handlung geschickt mit aktuellen kirchenpolitischen Debatten. - Sehenswert ab 14.
USA 1939 | R: Frank Capra | Mit: James Stewart
Mr. Smith geht nach Washington
USA 1948 | R: Frank Capra | Mit: Spencer Tracy
Der beste Mann (1948)
USA 1976 | R: Alan J. Pakula | Mit: Dustin Hoffman
Die Unbestechlichen (1976)
Zwei amerikanische Journalisten, die hartnäckig und gegen starke Widerstände eine zunächst vage Spur verfolgen, decken ein Komplott in höchsten Regierungskreisen auf. Kriminalfilm vor dem Hintergrund des authentischen Watergate-Skandals, der 1974 zum Sturz Nixons führte. Spannend, wenn auch etwas zerdehnt inszeniert, ausgezeichnet gespielt. Obwohl nur wenig über politische Fakten und Journalismus informiert wird, ein Polit-Thriller von hoher Qualität und Dichte. - Ab 14.
USA 1961 | R: John Ford | Mit: James Stewart
Der Mann, der Liberty Valance erschoß
Ein Senator macht Karriere, nachdem er in einem Duell den berüchtigten Banditen Liberty Valance erschossen und damit die Willkürherrschaft der Revolverhelden in einer Kleinstadt beendet hat. Jahre später stirbt ein ehemaliger Freund, der seinerzeit mit ihm um die Gunst seiner späteren Ehefrau konkurriert hatte. Bei dieser Gelegenheit enthüllt der Senator vor Journalisten, dass nicht er, sondern der Rivale den Banditen tötete. - Sehenswert ab 14.
Deutschland 2012 | R: Andreas Dresen
Herr Wichmann aus der dritten Reihe
Zweiter Dokumentarfilm über den CDU-Politiker Henryk Wichmann. Er begleitet ihn bei seiner Arbeit im Brandenburger Landtag, ist aber auch in der Uckermark mit vor Ort, wenn der Abgeordnete sich mit regionalen Konflikten und bisweilen sehr partikularen Problemen herumschlägt. Dramaturgisch humorvoll aufgearbeitet, untersucht der Film das Funktionieren deutscher Politik an der Basis und insbesondere das Verhältnis der Bürger zur politischen Klasse. Dabei wird nicht nur der Abgeordnete porträtiert, sondern indirekt auch den Bürgern ein kritischer Spiegel vorgehalten. - Sehenswert ab 12.
USA 1958 | R: John Ford | Mit: Spencer Tracy
Das letzte Hurra
Eine Satire aus dem Bereich amerikanischer Kleinstadtpolitik. Der erfahrene Bürgermeister unterliegt der mit Geld gesteuerten Wahlkampagne seiner Gegner und stirbt darüber. Der selbstironische Stil ist gelegentlich überzeichnet, die Sterbeszene ist pathetisch. Dennoch ist der Film inhaltlich und in der sorgfältigen Gesamtgestaltung bemerkenswert, wobei die herzerfrischende Darstellung de Hauptdarsteller die menschliche Wärme der Produktion abrundet. - Ab 16.
USA 1995 | R: Rob Reiner | Mit: Michael Douglas
Hallo, Mr. President
Deutschland 2002 | R: Andreas Dresen
Herr Wichmann von der CDU
Dokumentarfilm über den Wahlkampf eines Bundestagskandidaten der CDU, der in der brandenburgischen Uckermark auf verlorenem Posten steht und zunehmend verdrossen Werbung in eigener Sache macht. Der hellsichtige und zugleich erhellende Film ist ein Glücksfall für den politischen Dokumentarismus, der über den konkreten Einzelfall hinaus auch die fundamentale Krise der bundesdeutschen Demokratie reflektiert. - Sehenswert ab 14.
Österreich 2018 | R: Ruth Beckermann
Waldheims Walzer
Deutschland 2014 | R: Nancy Brandt
Die Gewählten
Fünf hochmotivierte junge Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Parteien werden 2009 erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt. Der Dokumentarfilm begleitet sie während der vierjährigen Legislaturperiode 2009-2013 und beobachtet ihre Versuche, im politischen Betrieb Fuß zu fassen. Der sympathische Dokumentafilm plädiert gegen Politik- und Politiker-Verdrossenheit. Formal eher etwas zu brav, wirft er dennoch sehr erhellende biografische Blicke ins parlamentarische Getriebe. - Ab 14.
Deutschland 2021 | R: Christoph Eder
Wem gehört mein Dorf?
Der Dokumentarist Christoph Eder beobachtet über fünf Jahre hinweg das Ringen seines Heimatortes Göhren auf der Insel Rügen um die Gestaltung des Tourismus, von dem hier nahezu alle leben. Gegen den Einfluss eines Investors formiert sich zaghafter Widerstand. Es gründet sich eine Bürgerinitiative, die bei der Kommunalwahl 2019 mit eigenen Kandidaten antritt. Mit persönlicher Nähe, aber auch gelassener Aufmerksamkeit zeichnet der Film ein fast exemplarisches Bild vom Erwachen des Bürgersinns, der die Belange des öffentlichen Lebens in die eigenen Hände nimmt. - Ab 14.
USA 2020 | R: Lisa Cortes
All In - The Fight for Democracy
2018 trat die afroamerikanische Politikerin Stacey Abrams als Kandidatin der Demokraten bei den Gouverneurswahlen im Bundesstaat Georgia an und unterlag knapp dem konservativen republikanischen Gegenkandidaten – nachdem zahlreiche Wähler daran gehindert worden waren, ihre Stimme abzugeben. Doku über das US-amerikanische Wahlsystem, in dem Minderheiten systematisch diskriminiert werden. - Ab 14.
USA 2023 | R: Alexandra Pelosi
The Insurrectionist Next Door
Die US-Journalistin Alexandra Pelosi, Tochter von Nancy Pelosi, der ehemaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, spürt den Motiven der Aufrührer nach, die am 6. Januar 2021 das US-Kapitol stürmten. In einer Reihe von Interviews streitet sie mit Menschen, die an den gewalttätigen Ausschreitungen beteiligt waren, und forscht nach den sozialen und ideologischen Hintergründen. - Sehenswert ab 14.
Bhutan 2023 | R: Pawo Choyning Dorji | Mit: Tandin Wangchuk
Was will der Lama mit dem Gewehr?
2006 wandelt sich der Himalaya-Staat Bhutan zu einer parlamentarischen Monarchie. Bevor es zu den ersten Wahlen kommt, beauftragt ein buddhistischer Lama aus einem Bergdorf einen jungen Mönch, für eine Zeremonie ein Gewehr zu besorgen. Warmherziger Film, der Road Movie, Politsatire und Komödie kombiniert. Er besticht durch lakonischen Humor und den zärtlichen Blick auf die Figuren mit ihren menschlichen Schwächen, die sich einfallsreich und mit bewundernswerter Gelassenheit auf das Abenteuer Demokratie einlassen. - Ab 14.
USA 2020 | R: Paul Greengrass | Mit: Tom Hanks
Neues aus der Welt
Um 1870 tingelt ein US-Veteran der Konföderierten als Nachrichtenbote durch den von ideologischen Gräben des Bürgerkriegs gezeichneten Westen der USA. Als er in Texas auf ein zehnjähriges Mädchen stößt, das von Kiowas großgezogen wurde, will er die Kleine zu ihren Verwandten eskortieren. Im Gewand eines klassischen Westerns erzählt der Film eine Parabel über historische Verantwortung und die zentrale Rolle der Kommunikation für das Gelingen von Demokratie. - Sehenswert ab 14.