Win or Lose
Animation | USA 2025 | 160 Minuten (acht Folgen)
Regie: Carrie Hobson
Filmdaten
- Originaltitel
- WIN OR LOSE
- Produktionsland
- USA
- Produktionsjahr
- 2025
- Produktionsfirma
- Pixar Animation Studios/Walt Disney Pic.
- Regie
- Carrie Hobson · Michael Yates
- Buch
- Carrie Hobson · Michael Yates
- Kamera
- Brian Boyd · Patrick Lin
- Musik
- Ramin Djawadi
- Schnitt
- Gregory Amundson · Ayse Dedeoglu Arkali · Robert Grahamjones · Jason Hudak
- Länge
- 160 Minuten (acht Folgen)
- Kinostart
- -
- Pädagogische Empfehlung
- - Sehenswert ab 10.
- Genre
- Animation | Komödie | Serie
- Externe Links
- IMDb | TMDB | JustWatch
Pixar-Animationsserie, die sich anhand von Figuren rund um eine jugendliche Baseball-Mannschaft mit den Tücken von Leistungsdruck und der Angst vorm Versagen befasst.
Der Softball rast auf Laurie zu. Mit dem Baseballschläger in der Hand steht sie zitternd auf dem Spielfeld. Alle Augen sind auf sie gerichtet. Besonders der Blick des Trainers, der gleichzeitig ihr Vater ist, macht sie nervös. Der Softball geht ihr durch die Lappen. Auch nach wiederholten Aufschlägen gelingt es dem Mädchen nicht, den Ball zu treffen. Auf Lauries Stirn laufen mehr und mehr Schweißperlen herunter, bis sich daraus ein kleines, gespensterartiges Monster namens Sweaty auf ihrer Schulter gebildet hat, das nur sie wahrnehmen kann. Das Monster gibt dem Teenagermädchen mit blonden Haaren und Sommersprossen Tipps, die Blamagen so gut wie möglich vor anderen zu verbergen, zum Beispiel durch lautes Lachen.
Gewinnen oder verlieren? Und was macht es mit Menschen, dem Bewährungsdruck dieses „Top oder Flop“ ausgesetzt zu sein? Darum geht es in der Pixar-Serie „Win or Lose“, die im Mikrokosmos eines Jugendvereins für Baseball in einer x-beliebigen amerikanischen Vorstadt spielt, wo alle mit alltäglichen Aufs und Abs konfrontiert sind. Die Kinderserie, die wie jeder gute Pixar-Film auch von Erwachsenen gesehen und genossen werden kann, nutzt den erzählerischen Kniff, dass jede Episode eine andere Person vom Sportplatz in den Fokus rückt. Außerdem spielt jede Folge im selben Zeitraum – eine Woche vor dem Meisterschaftsspiel –, sodass sich daraus ein Mosaik aus ganz vielen Einzelsteinchen ergibt.
Der Druck der Schweißtropfen
In der ersten Folge begleitet man die unsichere, mit sich selbst hadernde Laurie. Ihr Vater und Trainer lobt vor allem ihre Mitspielerinnen. Ihre Mutter wiederum ist eine Wahrsagerin, die nie das Haus verlässt, um sich auf die Tribüne zu setzen und ihre Tochter anzufeuern. Aber anstatt deprimiert zu sein, nutzt Laurie die Woche, um für das Spiel zu trainieren. Das heißt: mehr Schweiß – und mehr Sweaty, die verkörperte Versagensangst. Das kleine Monster wächst und wächst und hält ihr nachts Vorträge über ihre Fehler und ihr Fehlverhalten. Am Tag der Championship ist Sweaty und damit der Druck auf Lauries Schultern so groß, dass sie fast nicht mehr stehen kann. Als ihr Vater das Unwohlsein endlich versteht und sie aufmuntert, schrumpft das Monster zu einem Tropfen Schweiß.
Wieder einmal gelingt es Pixar, mit ganzen einfachen visuellen Metaphern die Gefühlswelt der kleinen Menschen einzufangen. Wie zuletzt in „Alles steht Kopf“ und „Alles steht Kopf 2“, wo die Emotionen im Kopf eines Mädchens miteinander ringen, findet die Serie sehr klare Bilder für den persönlichen Leistungsdruck. Den spüren nicht nur die jugendlichen Spielerinnen. Auch Erwachsene wie der Schiedsrichter Frankie haben mit Herausforderungen zu kämpfen. Auf dem Spielfeld ist Frankie flink, sieht jeden Zentimeter beim Linienübertritt, und auch in der Schule als Lehrer entgeht ihm kein Abgucken bei Prüfungen. Er strahlt ein Selbstbewusstsein aus, das durch eine Ritterrüstung versinnbildlicht wird, die wie das Monster Sweaty sonst niemand sieht. Nur beim Anblick der Lehrerkollegin Miss Park werden seine Knie weich und das Selbstbewusstsein verschwindet.
Gewinnerchancen und Versagensängste
Mit dem Selbstwertgefühl zu kämpfen haben die Spielerin Rochelle und ihre Mutter Vanessa nicht. Beide sind eifrige Macherinnen. Rochelle jobbt nebenbei am Kiosk, Vanessa arbeitet im Supermarkt, hat Erfolg als Influencerin und kümmert sich zudem als alleinerziehende Mutter noch um ein Baby. Beide vermeiden es aber, offen über ihren Druck zu sprechen. In einer Doppelfolge sieht man zunächst, wie Rochelle vor ihrer Mutter verheimlicht, dass der Mitgliedsbeitrag des Sportvereins gestiegen ist, weswegen sie halb-legal Hausarbeiten für ihre Mitschüler schreibt. Die Mutter kommt dabei, aus Rochelles Perspektive, sehr egozentrisch rüber, buhlt nur um die Aufmerksamkeit ihrer Followerschaft. In der darauffolgenden Episode, die den Fokus auf die Mutter richtet, sieht man aber, dass ihr im Supermarkt gekündigt wurde und sie nach anderen Jobs sucht, den finanziellen und existenziellen Druck aber nicht an ihre Tochter weitergeben möchte.
Die Serienmacher Carrie Hobson und Michael Yates zeigen damit eindrücklich, dass die Versagensängste manchmal genauso ein Antrieb sein können wie die Ambition, zu gewinnen. Der Animationsstil ist im Vergleich zu den Kinofilmen weniger detailliert, aber nicht weniger ausdruckstark. Jede kleinste Veränderung in den Gesichtern verrät etwas über den Gefühlswechsel der Figuren. Der Soundtrack besteht aus einer erfrischenden Mischung von Pop, Hip-Hop und R’n’B. Im Großen und Ganzen begeistert „Win or Lose“ mit einem empathischen Blick auf junge und ältere Figuren, die sich mit den Herausforderungen auf dem Sportplatz oder im Alltag auseinandersetzen müssen. Zu Beginn heißt es: „Alle wollen gewinnen. Aber wenn jemand gewinnt, verliert jemand anderes.“ Nach der Serie wird klar, dass sich die Welt nicht in Gewinner und Verlierer einteilen lässt, sondern dass das Ergebnis immer auch eine Ansichtssache ist. Woran man wachsen kann.