Als Jim Morrison in Oliver Stones Biopic „The Doors“ lieferte Val Kilmer eine legendäre Darbietung ab, an der sich alle nachfolgenden Darstellungen bekannter Popstars messen lassen mussten. Die 1990er-Jahre waren sein Jahrzehnt mit einem weiteren Höhepunkt im Thriller „Heat“. Val Kilmer galt als schwierig, und einfach hat es ihm das Leben auch nie gemacht. Mit 65 Jahren ist er nun an einer Lungenentzündung gestorben.
Biopics sind immer ein Gradmesser für die Klasse von Schauspielern und Schauspielerinnen und stärken ihr Image durch die Spiegelung in einem anderen Star. Zuletzt gelang es Timothée Chalamet als Bob Dylan. 1991 war es Val Kilmer, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere Jim Morrison in Oliver Stones „The Doors“ verkörperte. Auch er sang die Songs, 15 an der Zahl, in den gezeigten Live-Acts selbst. Selten war die Stimme eines Schauspielers derart nahe am Original. Wenn man Auftritte von Jim Morrison kennt, dann wird einem bewusst, wie intensiv sich Val Kilmer zudem in die Körperlichkeit des Popstars vertiefte. Und selten war die Ähnlichkeit so frappierend. Val Kilmer und Jim Morrison verbanden sich auf der Leinwand zu einem neuen Star. Die ehemaligen Bandmitglieder der „Doors“ waren nicht alle erfreut darüber.
Vom Theater zum Film
Val Kilmer galt als Schauspieler, der komplett in seinen Figuren aufging. Er hatte an der renommierten Juilliard School in New York Schauspiel studiert. Mit gerade mal 17 Jahren nahm die Schule ihn auf, womit er dort der jüngste Student aller Zeiten war. Zuerst zog es ihn zum Theater, und er spielte an mehreren Häusern am Broadway. In einer Produktion trat er zusammen mit Kevin Bacon und Sean Penn auf, die Anfang der 1980er-Jahre wie er auf dem Sprung zu einer erfolgreichen Karriere waren.
Dann kam das Angebot, in der Komödie „Top Secret“ die Hauptrolle zu spielen. Kilmer verkörperte darin einen Elvis-Verschnitt und sang alle Songs selbst. Der Film war eine Gelegenheit, sein komisches Talent zu zeigen, das indessen später kaum noch zum Tragen kommen sollte. Stattdessen folgte mit „Top Gun“ ein Jungstar-Vehikel. Tom Cruise und er lieferten sich einen Kampf um die attraktivste Männlichkeit, in der Luft oder beim Beachvolleyball. Dabei passte der eher sanfte Val Kilmer irgendwie gar nicht so recht in den von Testosteron strotzenden Film, aber das Filmstudio, bei dem er unter Vertrag stand, ließ ihm keine Wahl. Er machte dennoch eine gute Figur. Mit dem Fantasy-Film „Willow“ schlug er eine andere Richtung ein, als langhaariger Schwertkämpfer und Zauberer. Interessanterweise soll es dieser Film gewesen sein, der Oliver Stone dazu bewegte, Val Kilmer die Rolle des Jim Morrison zu geben. Vielleicht sah er in der Fantasywelt bereits Kilmer alias Morrison unter Drogen. Val Kilmer fertigte jedenfalls eigens ein Demoband an, um die Rolle zu bekommen.
Break on Through
Die 1990er-Jahre sollten sein Jahrzehnt werden. Seine Version eines ebenso begehrenswerten wie abstoßenden Jim Morrison in „The Doors“ erreichte zwar nicht die Popularität, die er sich vermutlich gewünscht hatte, und eine „Oscar“-Nominierung blieb aus. Doch Hollywood liebte ihn, auch wenn er als schwieriger Schauspieler galt und sich mit so manchem Regisseur und Schauspielkollegen zerstritt. Jedes Jahr drehte er mindestens einen Film mit den größten Stars seiner Zeit: „Halbblut“, „True Romance“, „Karen McCoy - Die Katze“ und „Tombstone“. Vom Kriminalfilm bis zum Western bewährte sich Val Kilmer in einem breiten Spektrum an Genres.
Als Batman in „Batman Forever“ reihte er sich in das bis in die Gegenwart anhaltende Comic-Franchise ein. Der Blockbuster machte ihn endgültig weltbekannt, aber eine Herausforderung war die Rolle nicht für ihn. In einem Interview mit „The Hollywood Reporter“ von 2021 meinte er rückblickend, es sei völlig unerheblich gewesen, wie er in dem Film agierte. Das war im folgenden Film ganz anders, in Michael Manns wegweisendem Kriminalfilm „Heat“ (1995). Val Kilmer brilliert an der Seite des „Who is Who“ amerikanischer Schauspielkunst als spielsüchtiges Mitglied der Bande, der am Ende als Einziger am Leben bleibt.
Das Leben dokumentieren
Die 2000er-Jahre begannen für Val Kilmer katastrophal; seine Schauspielerkarriere erlitt diverse Rückschläge, von denen er sich nie erholte. Aber er hatte noch andere Talente und Interessen. Sein Herzensprojekt war ohnehin, seine Arbeit schon sehr früh zu dokumentieren. Immer wieder lief er mit der Kamera auf Sets herum und verärgerte damit schon auch mal den jeweiligen Regisseur. 2021 entstand aus dem umfangreichen Material der Dokumentarfilm „Val“, der in Cannes Premiere feierte. Mit 61 Jahren und seiner durch eine Kehlkopfkrebs-Behandlung Mitte der 2010er-Jahre in Mitleidenschaft gezogenen Stimme führt er durch einen sehr intimen Einblick in seine Karriere.
Darin spricht er auch über den Tod seines kleinen Bruders Wesley, der mit 15 Jahren bei einem epileptischen Anfall in einem Whirlpool ertrank. Man fühlt sich gleich an „The Doors“ erinnert. Auch da resultieren die Dämonen, die Jim Morrison zeit seines kurzen Lebens begleiten, aus einer prägenden Kindheitserinnerung. Vielleicht musste Val in die Fußstapfen seines Bruders Wesley treten, der sich schon in der Kindheit als begeisterter Filmemacher erwies. Val Kilmer spielte unter seiner Regie seine ersten Rollen. In „Top Gun: Maverick“ trat er dann 2022 ein letztes Mal vor die Kamera. Am 1. April ist Val Kilmer in Los Angeles an einer Lungenentzündung gestorben.
Hinweis
Die Dokumentation "Val" ist unter dem deutschen Titel „Val Kilmer – Ein Leben zwischen "Top Gun" und "The Doors" ist bis 1. Mai in der arte-Mediathek zu sehen.