Die Filmreihe „Nach dem Ende: Post-Apokalyptisches Kino“ versammelt Endzeit-Fantasien jenseits gängiger Zombieaction; eine Kurzfilmreihe rund um „animiertes Verlangen“ zeigt Erkundungen von Erotik und Lust nicht zuletzt aus weiblicher Perspektive, und mit „Grand Tour“ startet der Film, der dem portugiesischen Regisseur Miguel Gomes 2024 den Regie-Preis in Cannes eintrug.
Während draußen der Frühling in Gang kommt und das Osterfest naht, regiert bei den Streamingdiensten diesen April statt Optimismus die Dystopie. Bei Sky/Wow startet die zweite Staffel der düsteren Computerspielverfilmung „The Last of Us“, Netflix zeigt die Alien-Invasion-Serie „Eternauta“ nach dem gleichnamigen argentinischen Graphic-Novel-Klassiker, bei MagentaTV geht „The Handmaid’s Tale“ nach Margaret Atwoods politisch-dystopischem Roman in seine sechste und letzte Staffel – und MUBI startet ab 1. April mit der Reihe „Nach dem Ende: Post-Apokalyptisches Kino“ ebenfalls mit einem endzeitlichen Akkord ins Frühlingserwachen.
Sie versammelt freilich keine mainstreamige Endzeitaction, sondern Genreklassiker wie John Carpenters „Die Klapperschlange“ und Jean-Pierre Jeunets „Delicatessen“ sowie eher still-nachdenkliche Endzeitentwürfe wie Chris Markers 1962 entstandenen, ca. 30-minütigen Kurzfilm „Am Rande des Rollfelds“ sowie Ulrich Köhlers „In My Room“, in dem sich ein von Hans Löw gespielter Protagonist allein in einer aus mysteriösen Gründen plötzlich entvölkerten Welt wiederfindet.
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Facetten von Lust und Liebe
Frühlingsgefühle zelebriert MUBI dafür ab 15. April in einer Kurzfilmreihe, die unter dem Titel „Animiertes Verlangen“ kleine Werke versammelt, in denen Regisseure und vor allem Regisseurinnen mittels verschiedener Animationsstile Facetten von Sexualität und Verlangen nachspüren. Das reicht von den Erlebnissen einer Straßenbahnschaffnerin in „Tram“ von Michaela Pavlátová, in dem das Ruckeln und der Rhythmus des Gefährts die Protagonistin auf eine erotisch-surreale Reise führen, bis zu den libidinösen Irrungen und Wirrungen der drolligen Tierwelt, die in „Bug Diner“ von Phoebe Jane Hart in einem Schnellrestaurant einkehrt.
Außerdem wartet MUBI am 18. April mit der Streamingpremiere eines portugiesischen Films auf, der Regisseur Miguel Gomes 2024 beim Filmfestival in Cannes den Regiepreis einbrachte: „Grand Tour“. Er spielt 1917 in Rangun in Burma und stellt einen Beamten des britischen Empires in den Mittelpunkt, der am Tag seiner Hochzeit kalte Füße bekommt, seine Verlobte sitzenlässt und auf eine Odyssee quer durch Asien startet – wobei ihm seine verlassene Liebste heimlich folgt. Ein zwischen Melo und Screwball changierender Film über eine verhinderte Love Story, in der die Liebe zum Katz-und-Maus-Spiel wird.
Ein „Match Made in Heaven“?
Um verhinderte Liebe, das romantische Ideal der großen Liebe als „Match Made in Heaven“ und dessen Abgleich mit der Lebensrealität geht es wiederum in „Past Lives“ von Celine Song, der 2023 bei der Berlinale Premiere feierte und nun ab 17. April bei MUBI zu sehen ist: Es geht um eine Frau, die als Mädchen mit der Familie aus Südkorea nach Kanada auswanderte und dabei einen innig mit ihr verbundenen Kindheitsfreund zurückließ, mit dem sie vierundzwanzig Jahre später online wieder in Kontakt kommt. Eine Chance, doch noch mit dem Menschen zusammenzukommen, der ihre verwandte Seele ist? Aber passt das zu dem Leben, das sie sich seither aufgebaut hat und in dem sie eigentlich glücklich ist?
Natürlich dürfen im MUBI-Programm auch im April Klassiker nicht fehlen. Sehenswert darunter ist vor allem „Der kleine Ausreißer“ aus dem Jahr 1953, der bis heute nichts von seinem Charme verloren hat – niemand geringerer als Wes Anderson präsentierte ihn 2023 im Rahmen der Berlinale-Retro gar als seinen Lieblings-Coming-of-Age-Film aller Zeiten. Er kreist um einen Siebenjährigen, der durch einen fiesen Streich seines älteren Bruders glaubt, er habe diesen erschossen, und allein nach Coney Island flieht, wo der legendäre Vergnügungspark New Yorks ist. Anlässlich der deutschen Erstaufführung 1960 schwärmte die Filmdienst-Kritik, wie „frisch, spontan, aufrichtig antikonformistisch und aus der Liebe zur Sache geboren“ der Film sei und wie tief er mit seiner Darstellung „in die Freuden und Ängste der Kinderwelt“ eindringe.
Das MUBI-Programm im April im Überblick
Schon ab 27. März:
1. April
Filmreihe „Nach dem Ende: Post-Apokalyptisches Kino“
Am Rande des Rollfelds (Kurzfilm; R: Chris Marker)
O Bi O Ba –Das Ende der Zivilisation
7. April
9. April
11. April
13. April
15. April
Kurzfilmreihe „Animiertes Verlangen“
17. April
18. April
25. April
28. April
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