Action | USA 2025 | 127 Minuten

Regie: Scott Derrickson

Zwei Elite-Scharfschützen, ein Mann und eine Frau, werden beauftragt, auf gegenüberliegenden Wachtürmen eine anliegende Schlucht zu beaufsichtigen, damit die unbekannten Wesen aus der Tiefe nicht entfliehen können. Beeinflusst von der Isolation nehmen der wortkarge Ex-Soldat und die litauische Agentin unerlaubten Kontakt zueinander auf. Als sie schließlich die Grenze überschreiten, eskaliert die Situation und sie müssen sich gegen die unbekannte Gefahr zur Wehr setzen. Ein dystopisches Konzept, das sich als unorganisch erzählte Genremixtur entpuppt. Weder die fragwürdig aufgebaute Romanze noch die Elemente des Mystery-Films wollen gelingen. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
THE GORGE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Skydance Media/Crooked Highway
Regie
Scott Derrickson
Buch
Zach Dean
Kamera
Dan Laustsen
Musik
Trent Reznor · Atticus Ross
Schnitt
Frédéric Thoraval
Darsteller
Anya Taylor-Joy (Drasa) · Miles Teller (Levi) · Sigourney Weaver (Bartholomew) · Sope Dirisu (J.D.) · William Houston (Erikas)
Länge
127 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Horror | Liebesfilm | Science-Fiction
Externe Links
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Dystopischer Thriller um zwei hochqualifizierte Sniper, einen Mann und eine Frau, die Dienst auf Wachtürmen schieben, die sich auf den Seiten einer riesigen Schlucht gegenüberliegen. Und in der Tiefe lauert eine mysteriöse Gefahr.

Veröffentlicht am
04.12.2025 - 00:00:00
Diskussion

„If you are lonely when you’re alone, you are in bad company“. Eine Weisheit des französischen Dramatikers Jean-Paul Sartre, die der ehemalige Elite-Soldat Levi (Miles Teller) auf dem Gesicht zu tragen scheint. Der wortkarge Einzelgänger wurde einst als erlesener Scharfschütze der United States Marine Corps eingesetzt und erfüllt mittlerweile Auftragsarbeiten. Pillen, die ihn vor den anhaltenden Albträumen schützen könnten, würden seine Zielgenauigkeit beeinflussen. Aufgrund seines Status wird Levi von einer hohen Staatsperson (Sigourney Weaver) für ein streng geheimes Projekt angeheuert.

Für 365 Tage wird er auf einem Wachturm stationiert, der direkt an eine riesige, mysteriöse Schlucht angrenzt. Von seinem Vorgänger J.D. (Sope Dirisu) wird er instruiert, dass dies das Tor zur Hölle sei. Niemand dürfte die Schlucht verlassen, die unbekannten Kreaturen werden nur „The Hollow Men“ genannt. Gegenüber von Lewis Aufenthalt befindet sich ein weiterer Turm, der von der litauischen Elite-Agentin Drasa (Anya Taylor-Joy) besetzt ist. Das auferlegte Kontaktverbot durchbrechen die beiden schnell mittels Kommunikation über beschriftete Schilder. Unwissend, dass die Gefahr nicht nur aus der Tiefe stammt, sondern auch mit der geopolitischen Vergangenheit zusammenhängt.

Post-Covid-Parabel

Emotionale Isolation und räumliche Separation. Menschen in direkter Entfernung und simultanen Lebensumständen erscheinen gleichzeitig nah und fern. Die Instruktionen erlauben keinen Brückenschlag, Sehnsucht nach physischer Zweisamkeit wird jedoch zunehmend stärker als das auferlegte Pflichtbewusstsein. Dass Drehbuchautor Zach Dean die Geschichte zu „The Gorge“ bereits im Jahre 2020 verfasste, scheint wenig überraschend. Der dystopische Konzeptfilm wirkt wie eine grobschlächtige Annäherung an das Thema der Covid-Pandemie, die in der aktuellen Zeit ohnehin an Bedeutung verloren hat.

Düsterer Actionfilm oder abgründige Romanze? Großspurige Genrefilme mit Staraufgebot und ambitionierten Erzählungen haben das Potential, mutige Genre-Hybride zu erzeugen. In „The Gorge“ wirken die oberflächlich erzählte und leer bleibende Romanze und die Anmutungen eines dystopischen Action-/Horrorthrillers nicht organisch. Mühselig verläuft eine Szene nach der anderen, ohne die Geschichte weiterzudenken. Dass Regisseur Scott Derrickson durchaus die Fertigkeiten besitzt, solide und kurzweilige Horror-Unterhaltungs-Kost zu liefern, bewies er mit „Sinister“ oder „The Black Phone“. Anstatt sein neuestes Werk als kompaktes B-Movie zu inszenieren, halten die Filmemacher ihre abstruse Parabel für so wichtig, dass das Unterfangen auf über zwei Stunden gedehnt werden musste.

Ergrautes Gefüge

Die betonierte Anlage, auf der sich die liebenden Elite-Sniper befinden, existiere schon seit der Zeit des Kalten Krieges. Die Verunsicherung der Pandemie wird mit den Ängsten vor einer nuklearen Detonation gekoppelt. In der unbekannten Schlucht findet sich eine kontaminierte Welt zwischen Leben und Tod wieder. Die grauen Einheitsbilder verschreiben sich auf gezwungene Weise dem dystopischen Ansatz. Von bildeigener Ästhetik kann in „The Gorge“ keine Rede sein; die schließlich offenbarte Unterwelt sieht so aus, als hätte man eine künstliche Intelligenz beauftragt, die Konzeptionen von HR Ginger mit Hieronymus Boschs Kunstwerken zu kreuzen. Als sich allmählich der Kampf mit den mutierten Geschöpfen aus der Tiefe anbahnt, werden die Protagonisten durch verschiedene infernale Areale gehetzt, ohne dass auch nur eine Actionszene im Gedächtnis bleibt.

Ähnlich ergraut verläuft die aufkeimende Romanze in Distanz und Dissonanz. Miles Teller porträtiert einen ungalanten und pseudo-nachdenklichen Tiefstapler, während man über Anya Taylor-Joys Figur deutlich weniger erfährt. Ihre Schicksalsschläge werden lediglich dafür eingesetzt, um Levi eine Steilvorlage dafür zu liefern , ihr emotionalen Beistand zu leisten. Dass der Erzählfokus hier so deutlich auf der Männerfigur liegt, wirkt reichlich antiquiert: Der Mann als kühler, aber einfühlsamer Retter; die Frau der emotionale Gegenpol im knappen Agentinnen-Outfit. Generell wirkt Drasa wie kalkuliertes Beiwerk, um Levis scheinheiligen Schuldgefühlen und der seelischen Isolation einen Ausweg zu geben. Als könnte man Krieg und Gewalt psychologisieren. Schließlich ist er es, der die unüberwindbaren Grenzen durchbricht. „Only these who will risk going too far can possibly find out how far one can go“, liest der an Lyrik interessierte Levi ein Zitat von T.S. Eliot vor sich her. Eine Macher-Mentalität, die das progessiv-moderne Kino hinter sich lassen sollte.

Wenig Mysteriöses im Mystery-Film

In dem Film wird konsequent die Suche nach der Wahrheit, nach Wahrhaftigkeit betont. Das angeführte Verborgene muss aufgedeckt werden. Dafür, dass „The Gorge“ mit dem Mysteriösen kokettiert, werden die Bestandteile der Narration aber viel zu aufdringlich verbalisiert; sei es von Levis Vorgänger J.T., der das Konzept des Films veranschaulicht; oder den Protagonisten selbst, die die obligatorische Verschwörung kleinteilig aufdecken.

Verborgen bleibt lediglich die wahrhafte Verschreibung an ein Genre. Umworben als Actionthriller, verlaufen die rasanteren Szenen von „The Gorge“ im Schongang und als unästhetisches, computergeneriertes Durcheinander. Die beigefügte Liebesgeschichte fühlt sich, auch aufgrund der antiquierten Gesinnung, ungelenk an und entwickelt sich frei von aufrichtiger Intimität. Horror- und Mystery-Elemente ordnen sich in „The Gorge“ einer sturen Parabel über Verunsicherung und Angst unter, während keine Stimmung von genuiner Unbehaglichkeit aufkommt.

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