Kinderfilm | Deutschland 2024 | 84 Minuten

Regie: Sarah Winkenstette

Ein zehnjähriger Junge kommt mit Abweichungen von der Routine, Lärm und der Farbe Rot nicht zurecht. Wenn es ihm zu viel wird, zieht er sich in seine Zukunftsträume als Astronaut auf Marsmission zurück. Die Ferien bei seinen Großeltern auf dem Land stellen ihn immer vor besondere Herausforderungen. Doch mit Hilfe seines Raumanzugs und der Beobachtung eines Asteroiden findet er einen Weg, den Schwierigkeiten zu begegnen. Ein mit leichter Hand, feinem Humor und großem Einfühlungsvermögen inszenierter Kinderfilm, der geschmeidig zwischen den Perspektiven der Hauptfigur und der anderer Figuren wechselt. Der Fantasie wird dabei ebenso Raum gegeben wie einer realistischen Grundierung der Geschichte. - Sehenswert ab 10.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2024
Produktionsfirma
Leitwolf Filmproduktion/Kinescope Film
Regie
Sarah Winkenstette
Buch
Thomas Möller · Sebastian Grusnick
Kamera
Jakob Berger
Musik
André Feldhaus
Schnitt
Nicole Kortlüke
Darsteller
Theo Kretschmer (Tom) · Lilli Lacher (Nina) · Eva Löbau (Vera) · Jona Volkmann (Nick) · Anton Noltensmeier (Elmar)
Länge
84 Minuten
Kinostart
08.05.2025
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 10.
Genre
Kinderfilm | Literaturverfilmung
Externe Links
IMDb | TMDB

Kinderfilm um einen zehnjährigen Jungen, dem Abweichungen von der Routine Schwierigkeiten bereiten und der seine Ferien bei den Großeltern deshalb als Vorbereitung auf eine Marsmission umdeutet.

Aktualisiert am
01.04.2025 - 10:54:37
Diskussion

Tom sieht rot, wenn er Rot sieht. Der zehnjährige Protagonist von „Grüße vom Mars“ hat auch sonst einige besondere Eigenschaften. Er kann es nicht ertragen, wenn es laut und hektisch wird, er mag es nicht, wenn er angefasst wird und er muss alle drei Stunden etwas trinken. Überhaupt lebt der Junge nach einem streng geregelten Plan. Jede Abweichung davon macht ihn nervös, bringt ihn außer sich oder lässt ihn verstummen. Oft auch verkriecht er sich in einem in der Wohnung extra für ihn eingerichteten Wandkasten, den zahllose Pläne, Formeln und Skizzen zieren: Toms Spezialgebiet und Leidenschaft ist der Weltraum, sind Zahlen und Formeln. Er träumt davon, dereinst ins All zu fliegen und als erster Mensch den Mars zu betreten. Raumfahrtanzug und Helm besitzt er schon.

Tom lebt mit seiner fünfzehnjährigen Schwester Nina, dem dreizehn Jahre alten Bruder Elmar und Mutter Vera in Hamburg. Sein Vater ist vor einigen Jahren gestorben, die Mutter arbeitet in der Nachrichtenredaktion des Fernsehens. Die Familie hat sich mit Toms Eigenheiten, seinen besonderen Bedürfnissen und Fähigkeiten arrangiert. Wird es laut, stülpt man ihm Kopfhörer über und lässt ihn beruhigende Weltall- oder Unterwassergeräusche hören. Alles Rote räumt man geflissentlich aus seinem Gesichtsfeld und Aufregung versucht man tunlichst zu vermeiden. Auch das Glas Wasser wird ihm regelmäßig serviert.

In der Hektik des Alltags ist das alles allerdings nicht immer einfach, und als die Mutter eine Beförderung ins „Tagesschau“-Team in Aussicht gestellt bekommt, wird es turbulent. Für die Stelle müsste Vera vier Wochen lang die Vorort-Berichterstattung aus China übernehmen. Da der Auslandseinsatz in die Sommerferienzeit fällt, plant Vera, die Kinder in dieser Zeit bei den Schwiegereltern auf dem Land unterzubringen.

Die erste Mission: Die Zeit bei den Großeltern

Das stößt bei den Kindern, die zu Oma Hanna und Opa Horst seit Vaters Tod kaum mehr Kontakt hatten, nicht sonderlich auf Begeisterung. Vor allem Tom ist davon vorerst nicht angetan. Doch Vera kennt ihren Jüngsten. Sie schenkt ihm ein Logbuch und erklärt die Zeit bei den Großeltern zu seiner ersten Mission: Großes Lob gebührt an dieser Stelle Thomas Möller und Sebastian Grusnick. Die beiden haben nicht nur den dem Film zu Grunde liegenden Roman gleichen Namens verfasst, sondern diesen auch als Drehbuch adaptiert, wobei sie Toms Sicht auf Ereignisse und die der ihm Nahestehenden geschmeidig ineinander übergehen lassen. Auf der Fahrt zu den Großeltern träumt er sich im Astronautenanzug zum Himmel hoch. Bereits hier zeigt sich, was „Grüße vom Mars“ kennzeichnet und zu begeistern vermag: Die unmittelbare Vermischung von realem Geschehen und Toms davon ausgehenden, mittels kleiner Tricks eingebrachten Visionen, die nicht nur träumerische Phantastereien sind, sondern auch auf seinem großen Wissen und seinen exzellenten mathematischen Fähigkeiten beruhen.

Die Autofahrt verläuft chaotisch. Die Ankunft bei Oma und Opa ist es noch sehr viel mehr – weil Vera den Ferienaufenthalt zwar mit Horst vereinbarte, dieser aber Hanna zu informieren vergaß. Als Tom als erstes die rot gestrichene Tür von Omas und Opas Haus sieht, bleibt er stocksteif im Auto sitzen; seine erste Mission scheint gescheitert zu sein, noch bevor sie richtig begonnen hat. Doch es gibt zum Glück einen Hintereingang. Und so geht das fortan nun weiter. Wo immer Tom auf ein Hindernis stößt – und das tut er in der ihm unvertrauten Umgebung am laufenden Band – gibt es einen Weg, dieses zu umgehen, oder eine pragmatische Lösung, damit umzugehen.

Als im Radio dann die Rede vom Asteroiden 2024-NR 37 ist, der direkt auf die Erde zuzusteuern scheint, aber auf mysteriöse Weise plötzlich wieder verschwindet, ist Toms Neugierde geweckt. Er baut sich im Dachgeschoss eine improvisierte Forschungsstation auf und macht sich mit Feuereifer daran, 2024-NR 37 zu suchen.

Mit leichter Hand und viel Einfühlungsvermögen

„Grüße vom Mars“ erzählt vor allem die Geschichte von Tom, streift nebenbei aber auch Themen wie erste Verliebtheit, Stadt-Land-Graben und Altersdemenz. Sarah Winkenstette hat den Film mit leichter Hand, feinem Humor, leiser Verschmitztheit und viel Einfühlungsvermögen in die Figuren inszeniert. Hedi Kriegeskotte und Michael Wittenborn spielen Oma und Opa als in ihrer eigenen Welt lebende Senioren, die auf ihre Enkel eingehen, ihnen aber auch viel Freiraum lassen. Nina und Elmar, von Lilli Lacher und Anton Noltensmeier sympathisch gegeben, erleben im Film ihre eigenen kleinen Abenteuer, sind zugleich aber auch Toms stete Begleiter und Helfer. Die von Eva Löbau gespielte Vera entwickelt sich im Laufe des Films von einer überfürsorglichen und überbesorgten Mutter zu einer Frau, die ihren Angehörigen und Kindern vertrauend die Verantwortung auch mal abzutreten lernt.

Der strahlende Star von „Grüße vom Mars“ aber ist Theo Kretschmer in seiner ersten Filmrolle. Der bei den Dreharbeiten Zehnjährige spielt Tom auf der riesigen Bandbreite zwischen Hochsensibilität, überbordendem Innenleben, Panikattacken und kindlichem Feuereifer einfühlsam und überzeugend realistisch. Vor allem auch dank seiner starken Leistung gelingt „Grüße vom Mars“, ohne je konkret auf eine medizinische Diagnose einzugehen, die berührende Schilderung des Reifens eines Jungen, der sich im autistischen Spektrum bewegt.

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