Der portugiesische Filmemacher hat die Filmgeschichte seines Landes und des europäischen Autorenkinos über Dekaden mitgeprägt. Am 2. April 2025 jährt sich sein Todestag zum 10. Mal. Die arte-Mediathek ehrt ihn zu dem Anlass mit einer kleinen Filmreihe aus fünf Spielfilmen und einem dokumentarischen Porträt.
Als der portugiesische Filmemacher Manoel de Oliveira vor rund zehn Jahren, am 2. April 2015, verstarb, hinterließ der weit über Hundertjährige – geboren am 8. Dezember 1908 im nordportugiesischen Porto – ein Werk, das mehrere Dekaden Filmgeschichte umfasste. Seinen ersten Film hatte er 1931 realisiert: "Douro, faina fluvial", einen Dokumentarfilm über den Douro-Fluss, der in seiner Heimatstadt Porto ins Meer mündet. Seine letzten, kurzen Filme realisierte er 2014 und 2015 bis kurz vor seinem Tod. Dazwischen liegt ein ebenso einzigartiges wie eigenwilliges Oeuvre, das sich vor allem nach dem Sturz des faschistischen Salazar-Regimes in Portugal ab den 1970er-Jahren richtig entfalten konnte und de Oliveira zur prominenten Stimme des europäischen Autorenkinos machte.
„Ich habe nie gehofft, dass einer meiner Filme einen Preis gewinnen würde. Meine Filme besitzen im Allgemeinen dafür nicht die geeignete Substanz. Es sind Filme des Widerstands. Und zwar in dem Sinne, dass sie gegen den Mainstream stehen und deshalb oft polemisch oder wenig zugänglich wirken. Aber das ist meine Art, die Welt zu sehen, die immer künstlicher wird,“ erläuterte der Filmemacher einmal im Interview mit einer portugiesischen Tageszeitung. Die arte-Mediathek feiert anlässlich seines 10. Todestags derzeit sein Schaffen mit einer kleinen Retrospektive, die eine Auswahl von fünf Filmen sowie das dokumentarische Porträt „Manoel de Oliveira – Vergiss nicht, dass ich spiele“ umfasst. Das Programm umspannt einen vergleichsweise kleinen, aber produktiven Zeitrahmen in de Oliveiras Filmografie von den frühen 1980ern bis in die frühen 2000er-Jahre. Der älteste Film der Reihe ist „Francisca“ aus dem Jahr 1981. Er entstand als letzter Teil eines vierteiligen Zyklus der „Amores frustrados“, der scheiternden, frustrierten Liebe, und erzählt die düster-melodramatische Geschichte eines Landadligen, dessen Liebe zu einer Frau letztendlich an seiner krankhaften Eifersucht zerschellt.
Außerdem
zeigt die arte-Mediathek zwei Filme aus den 1990er-Jahren, wozu neben der grotesken
Tragikomödie „Party“ (mit Michel Piccoli) auch „Der Brief“ gehört,
wie „Francisca“ eine Literaturverfilmung um unglückliche Liebe, unerfüllte Sehnsucht und
Reue, mit der de Oliveira eine Interpretation des französischen
Literaturklassikers „Die Prinzessin von Clèves“ vorlegte. Auch zwei Werke aus
den frühen 2000er-Jahren sind in der arte-Mediathek verfügbar, das Drama „Ich geh‘ nach Hause“ um einen alternden Theaterstar (ebenfalls mit Michel Piccoli besetzt) sowie „Reise nach Bombay“ um
eine Geschichtsprofessorin auf einer Mittelmeerkreuzfahrt, die eine tragische
Wendung nimmt, als eine Bombendrohung das kultivierte Miteinander an Bord zu zerstören
droht. Ein Meisterwerk des damals 95-jährigen Regisseurs, der die
abendländische Kultur und die Geschichte Europas beschwört und zugleich ihren
Abgesang anstimmt.
Hinweis
Hier geht es zur Retrospektive in der arte-Mediathek