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Serie: The White Lotus - Staffel 3

Die dritte Staffel der herrlich bissigen Comedyserie spielt in einem thailändischen Luxus-Resort und nimmt sich auf satirisch zugespitzte Weise des Mottos „Eat the Rich“ an. Mit dabei: Chrstian Friedel als deutscher Hotel-Leiter.

Aktualisiert am
22.02.2025 - 11:07:32
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Laut einer Meditationstrainerin, die in der dritten Staffel der Serie „The White Lotus“ gleich am Anfang ihren Auftritt hat, gilt es während der stillen Kontemplation ihrer zahlkräftigen Klienten vor allem, deren unruhigen Geist zur Ruhe zu bringen. Das „Äffchen Bewusstsein“, das unermüdlich zur Abschweifung verleite, soll durch positive Eigenschwingungen besänftigt werden. Diese Entspannungskur scheitert allerdings schnell, wenn Pistolenschüsse durch das Dschungel-Paradies hallen.

Was bisher geschah

Eingeweihten der „The White Lotus“-Serien dürfte das Prinzip der Show von Serienschöpfer Mike White mittlerweile vertraut sein. Im Setting luxuriöser High-End-Urlaubsdomizile führt die Serie getreu dem Motto „Eat the Rich“ betuchte Protagonisten genüsslich in existenzielle Sackgassen, an deren Ende nicht selten Mord und Totschlag warten. Jede Staffel funktioniert als eigenständige Story. Die erste Staffel spielte in einem noblen Resort auf Hawaii, wo das Leben der wohlhabenden Gäste und das der Angestellten auf komplexe Weise miteinander verwoben wurde. Im Zentrum der überdrehten schwarzen Komödie brillierten Murray Bartlett als pedantischer Hotelbetreiber sowie Jennifer Coolidge als emotional instabile, von ihrer Sehnsucht nach Liebe getriebene Frau, was beim Publikum für Lachsalven und Anteilnahme sorgte.

Im Zentrum der Handlung standen Machtspiele, persönliche Krisen und die gegenseitige Abhängigkeit zwischen privilegierten Urlaubern und den erschöpften Mitarbeitern. Während einige Gäste mit familiären und existenziellen Konflikten rangen, geriet das Personal unter dem Druck der anspruchsvollen Klientel zunehmend in einen selbstzerstörerischen Strudel. Die sich zuspitzenden Spannungen und enthüllten Geheimnisse führten zu hochtragischen Konsequenzen, was die satirische Kritik an ausgestelltem Reichtum und Klassenunterschieden unterstrich.

In der zweiten Staffel entfaltete sich das aberwitzige Drama in einem exklusiven Sizilien-Resort, wo andere Gäste mit ihren Geheimnissen und Unsicherheiten aufeinandertreffen. Nach Taormina finden unter anderem von F. Murray Abraham, Michael Imperioli und Theo James gespielte Figuren – sowie abermals Jennifer Coolidge als Serienmaskottchen. Die Figuren bewegen sich zwischen hedonistischer Leichtigkeit und einer tiefen inneren Unruhe, die ihre Suche nach Identität und Zugehörigkeit prägt. Auch hier geht es um die Dynamik zwischen den Klassen und latente Spannungen zwischen den Gästen und dem Personal, was humorvoll und zugleich tragisch inszeniert wird – ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verwerfungen, ebenso charmant wie beunruhigend. Die zweite Staffel endete mit einem furchtbaren Drama, bei dem man sich fragte, wie die Serie noch sinnvoll weitergehen könnte.

Neue Gäste, neue Katastrophen

Nun folgt die dritte Staffel. Einmal mehr findet sich ein vortreffliches Darstellerensemble nach einer Bootsfahrt in einem Luxusresort ein, diesmal an der thailändischen Küste, deren tropisches Paradies vor Jahren von der Tsunami-Katastrophe heimgesucht wurde. Eine mutmaßlich unüberschaubare Anzahl handelnder Figuren sorgt anfangs für eine beabsichtigte Unübersichtlichkeit, die sich jedoch bald legt. Zur quirligen Schar zählt die Familie Ratliff. Jason Isaacs und Parker Posey spielen das Ehepaar, Patrick Schwarzenegger, Sarah Catherine Hook und Sam Nivola die Kinder Saxon, Piper und Lochlan. Jedes von ihnen ist auf seiner eigenen Sinnsuche. Saxon findet seine Erfüllung in Körperkult und Männlichkeitsritualen, Piper im Buddhismus. Nur Lochlan scheint sich in dieser Hinsicht noch nicht sicher zu sein und wirkt ziemlich verloren.

Als Rückkehrerin aus Staffel 1 kommt Belinda (Natasha Rothwell) hinzu. Sie träumt immer noch von einem eigenen Luxus-Spa. Ihre drei besten Freundinnen aus Kindheitstagen, Jaclyn (Michelle Monaghan), Laurie (Carrie Coon) und Kate (Leslie Bibb), haben sich allesamt super gehalten, worauf sie einigermaßen stolz sind. Sobald eine der drei jedoch den Raum verlässt, beginnen die beiden anderen über sie herzuziehen. Was das Paar Rick (Walton Goggins) und Chelsea (Aimee Lou Wood) zusammenhält, scheint zu Beginn äußerst rätselhaft. Die liebenswerte Schöne hat sich mit ihrem Freund einen vormaligen Rockstar angelacht, der mit seinem Aufenthalt aber ganz andere Zwecke als einen entspannten Pärchenurlaub zu verfolgen scheint.

Dies sind aber nur einige der Figuren, die sich die Klinke in die Hand geben. Durch den Anfang mitsamt seiner Gewehrsalven ist jedoch klar, dass Drastisches droht. Das Rätselraten nimmt damit seinen Lauf. Wie kann die Lage inmitten der meditativen Szenerie nur so eskalieren? Christian Friedel glänzt in einer tollen Performance als deutscher Resort-Leiter. Servil seiner Chefin (Patravadi Mejudhon) ergeben und obendrein ziemlich begriffsstutzig, scheint er den Ernst der eskalierenden Lage nicht zu verstehen.

Es ist aber auch zu vertrackt! Da wären ein betrügerisches Finanzschema, ein Mordfall, der Jahrzehnte zurückliegt, sowie die zweifelhafte Identität eines anderen Hotelgastes, der ebenso aus Staffel 1 stammt. Das alles kocht Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Mike White wie in einem Druckbehälter zu einer verhängnisvollen Mischung zusammen. Abermals pointenreich, gesellschaftskritisch und zugleich hoch unterhaltsam.

Wobei der satirische Biss diesmal nicht mehr ganz so heftig ausfällt. White folgt diesmal ein bisschen zu genüsslich dem Impuls, in grellen Farben zu zeichnen. Manche der Figuren, etwa die von Parker Posey verkörperte Texanerin, wirken allzu überzeichnet. Dabei hätte White allzu simple Gags eigentlich gar nicht nötig. Bisweilen wünscht man sich den alles durchdringenden, aber zugleich doch auch liebevoll auf die Figuren schauenden Blick der Staffel 1 zurück. An anderen Stellen funktioniert die Rezeptur dann aber wieder ganz famos. Etwa wenn der bittere, sich selbstverzehrende Rick auf einem heftigen Cannabis-Trip seine Zuneigung zu Giftschlangen entdeckt und die Tiere aus ihrem Terrarium entlässt: „Sie sollten in Freiheit leben“.


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