© ZDF/Concorde (Emma Thompson in "Kindeswohl")

Kindeswohl

Drama um eine Familienrichterin, die in einer persönlichen Krise über ein ethisches Dilemma urteilen muss - bis 28.4. in der 3sat-Mediathek

Aktualisiert am
02.04.2025 - 12:37:57
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Die Familienrichterin Fiona Maye (Emma Thompson) geht in ihrer Arbeit auf. Sie entscheidet auch über Fälle, die ethische Fragen aufwerfen und große öffentliche Aufmerksamkeit erregen. Im Film lernt man sie bei einem solchen Fall kennen, in dem sie über die operative Trennung von siamesischen Zwillingen entscheiden muss, wobei der Tod von einem der beiden Kinder billigend in Kauf genommen wird; ohne eine Trennung würden beide sterben. Vor dem Gerichtsgebäude stehen wütende Demonstranten, die gegen das „Todesurteil“ skandieren, die Medien sind vor Ort. 

Unabhängig davon ist auch Mayes Privatleben in Aufruhr. Ihr Mann Jack hat ihr eröffnet, dass er eine außereheliche Affäre beginnen möchte, obgleich er sie liebe und sie nicht verlassen wolle. Sie hätten seit langer Zeit keinen Sex mehr; die Arbeit bestimme alles, Intimität oder die Beziehung hätten keinen Platz. Die Juristin ist nicht in der Lage, emotional darauf zu reagieren – und reicht die Scheidung ein. 

Mitten in dieser privaten Krise sieht sich Maye mit einem neuen Fall konfrontiert. Ein 17-jähriger Junge ist schwer an Leukämie erkrankt, verweigert aber die mutmaßlich lebensrettende Behandlung, da er und seine Eltern den Zeugen Jehovas angehören; nach deren Lehre würde durch eine Bluttransfusion die „Heiligkeit des Blutes“, der vermeintliche Sitz der Seele, verletzt.

Soll die Richterin nun gegen den erklärten Willen eines 17-jährigen Patienten eine womöglich lebensrettende Bluttransfusion anordnen? Sie entschließt sich, den an Leukämie erkrankten Jugendlichen im Krankenhaus aufzusuchen, was für beide unabsehbare Folgen nach sich zieht. 

Das Drama von Richard Eyre nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan skizziert nachdenklich und gut recherchiert ein Ehe- und Justizdrama mit einer distinguierten Frau im Mittelpunkt, die zu ihren Gefühlen keinen Zugang hat. Die Hauptdarstellerin trägt den Film mit ihrem hinreißend zurückgenommenen Spiel. - Ab 14.

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