The Art of Destruction

Dokumentarfilm | Deutschland 2025 | 74 Minuten

Regie: Ilija Jelusic

Die deutsche Thrash Metal-Band „Destruction“ träumt davon, die „Big Teutonic Four“ einmal auf derselben Bühne zu versammeln. Ein Filmteam begleitet die Band hinter den Kulissen und durch existenzielle Krisen wie die Corona-Pandemie oder das unerwartete Ausscheiden eines Gründungsmitglieds. Die Dokumentation über das Leben abseits der großen Bühne ist handwerklich aber durchwachsen und erzählt nur in wenigen Momenten von der Verletzlichkeit der nach außen hin so knallharten Metal-Musiker. Eher ein Film für hartgesottene Fans der Band. - Ab 14.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Ilija Jelusic & Denise Dörner Prod./HEAVY MEDIA
Regie
Ilija Jelusic · Denise Dörner
Buch
Ilija Jelusic · Denise Dörner
Kamera
Ilija Jelusic · Denise Dörner
Schnitt
Ilija Jelusic
Länge
74 Minuten
Kinostart
06.03.2025
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Musikdokumentation
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TMDB

Doku über die südbadische Thrash-Metal-Band Destruction vor und während der Corona-Pandemie

Aktualisiert am
09.03.2025 - 12:16:04
Diskussion

Die DNA einer Metal-Band setzt sich aus drei Elementen zusammen: Schweiß, Blut und Bier. Zumindest glaubt man dies, wenn Bands wie Destruction, Kreator, Sodom oder Tankard in diesigen Kellerclubs über ihre Stahlsaiten schreddern. Die selbsternannten „Big Teutonic Four“ bilden seit den 1980er-Jahren die Speerspitze der deutschen Thrash-Metal-Szene, die ihren musikalischen Aufstieg zeitgleich mit legendären Bay-Area-Bands wie Metallica oder Slayer feierten. In „The Art of Destruction“ unternehmen Denise Dörner und Ilija Jesulic den Versuch, der südbadischen Band Destruction ein dokumentarisches Denkmal zu setzen.

„Weniger interview-lastig, mehr reportagig“: So wollen die beiden Regisseure ihre Dokumentation verstanden wissen. Dass die ersten Einstellungen dann aber doch klassisch mit Sänger Marcel „Schmier“ Schirmer und Gitarrist Mike Sifringer beginnen, die brav auf einem Stuhl hinter einer Bühne sitzen, hat allerdings wenig von rebellischem Reportage-Freestyle. Irritierender erscheint die Absicht hinter der Dokumentation. Über 40 Jahre Bandgeschichte würde gewaltig viel Stoff bieten, von ersten Demo-Tapes über eine zehnjährige Trennung Ende der 1980er-Jahre bis zu großen Erfolgen in den USA. Doch die Filmemacher ignorieren diese Phasen und fokussieren sich ganz auf einen Zeitraum von fünf Jahren unmittelbar um die Corona-Pandemie. Wer bislang nichts von der Band und ihrem Werdegang wusste, ist nach dem Abspann auch nur wenig schlauer.

Handwerklich nicht aus einem Guss

Als roten Faden dient „The Art of Destruction“ das bislang unerfüllte Ziel, dass die „Big Teutonic Four“ einmal auf einer Bühne zusammenspielen. Dass zwei „Destruction“-Musiker sowie Tom Angelripper von der befreundeten Band Sodom zu Beginn über komplizierte Buchungskonditionen reden und immer wieder betonen, wie schön es wäre, wenn ein Zusammentreffen klappen könnte, wirkt als Einstieg eher rumpelig und unnahbar. Es geht dabei vor allem ums Geschäft, nicht um die Musiker und ihre Kunst.

Viele Szenen, insbesondere mit dem redseligen Marcel Schirmer, erinnern mehr an einen persönlichen Vlog als an eine Reportage. Ein Hinterfragen findet nicht statt, Krisen der Band werden ohne Einordnung schlicht per Textbox abgehandelt. So entsteht der Eindruck, dass hier unkritische Musiklieber zugange sind und keine Filmemacher mit einer klaren Intention.

Auch handwerklich wirkt die Produktion nicht aus einem Guss. Statische Einstellungen wechseln mit wackeligen Handkamera-Aufnahmen ab, die von Konzertschnipseln unterbrochen werden. Dass diese Bilder aus jahrelang gesammelten Quellen stammen, offenbart ihre schwankende Qualität. Eine unruhige Mischung aus Inserts und Off-Tönen während der Backstage-Gespräche soll durch die wechselhafte Band-Geschichte navigieren.

Corona und die Folgen

Dass die Dramaturgie durch die Corona-Pandemie verschärft wird, kommt der Dokumentation zugute. Denn Vollzeitmusiker, die ihr Geld auf der Bühne vor jubelnden Menschenmengen verdienen, mussten in dieser Zeit um ihre Existenz bangen. Das ist eigentlich ein Glücksgriff für eine emotionale Geschichte, den die Regisseure jedoch nicht zu nutzen verstehen. Anstatt darüber die Bandmitglieder als Menschen mit Ängsten und Sorgen greifbar zu machen, die sich per Videocalls oder am Telefon zusammenschalten, müssen erneut Erklärboxen für die Geschehnisse der zurückliegenden Monate herhalten. Auch das abrupte Ausscheiden des Band-Mitgründers Mike Sifringer geht in animierten Textblöcken fast vollständig unter.

Was die Dokumentation hingegen auszeichnet, sind Einblicke in das Leben hinter dem Bühnenvorhang. Schnell wird klar, dass die Jahrzehnte nicht spurlos an den unverwüstlich wirkenden Metal-Heros vorbeigegangen sind. Sänger Schmier macht vor dem Auftritt umsichtige Dehnübungen mit einem Gummiseil, während der Gitarrist Mike seinen Körper mit Pillen stärkt. Diese ruhigen, verletzlichen Momente sind zwar rar gesät, lassen jedoch erahnen, was aus dieser Dokumentation hätte werden können. So bleibt „The Art of Destrution“ lediglich Bonusmaterial für langjährige Fans, denen es genügt, ihren Musikern hinter der Bühne beim Nudelkochen über die Schulter schauen zu können.

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