Freiheit im Herzen
Dokumentarfilm | Deutschland 2024 | 95 Minuten
Regie: Roxana Samadi
Filmdaten
- Produktionsland
- Deutschland
- Produktionsjahr
- 2024
- Produktionsfirma
- Brave New Work
- Regie
- Roxana Samadi
- Buch
- Roxana Samadi
- Kamera
- Roxana Samadi
- Musik
- Ali N. Askin
- Schnitt
- Ilja Altvater · Roxana Samadi
- Länge
- 95 Minuten
- Kinostart
- 27.02.2025
- Fsk
- ab 12; f
- Pädagogische Empfehlung
- - Ab 14.
- Genre
- Dokumentarfilm
- Externe Links
- IMDb | TMDB
Dokumentarfilm über in Deutschland lebende Exil-Iraner, die versuchen, den Widerstand gegen das Mullah-Regime am Leben zu erhalten.
Am Beginn von „Freiheit im Herzen“ steht ein Gedicht des persischen Dichters Saadi Shirazi aus dem Jahr 1258 über das Menschsein: „Die Menschenkinder sind alle Brüder aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder ... Wenn Anderer Schmerz dich nicht im Herzen brennt, verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennt.“ Dazu sind Bilder zu sehen von Himmel, Schilf und Wasser – ein Frauenkörper schwimmt im Wasser, eine Hand bewegt sich. Die nicht benannte Ich-Erzählerin berichtet, sie habe das Paradies gesehen, dazu werden Bilder aus dem Iran gezeigt, die in ihrem assoziativen Charakter dem Beginn des Films etwas Essayhaftes geben, ohne dass diese Stilelemente später wieder aufgenommen werden. Dazwischen Alltagsbilder: Ein Mann und seine erwachsene Tochter, vielleicht die Ich-Erzählerin, liegen auf Teppichen und schauen sich Familienbilder auf dem Handy an.
Es folgt, unterbrochen von Erinnerungen einiger Iranerinnen und Iraner, die in Deutschland leben, ein Rückblick auf die Ereignisse seit 1979. Damals wurde die Monarchie im Iran gestürzt, und es etablierte sich das theokratische, islamistische Regime, das bis heute an der Macht ist. 1979 begann auch die Fluchtbewegung aus dem Iran, die dazu führte, dass heute etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung außerhalb ihres Heimatlandes leben. Viele von ihnen können nicht zurückkehren, weil sie sofort verhaftet würden – einige Flüchtlingsschicksale werden kurz skizziert, und der Film pendelt einigermaßen ziellos zwischen Essay, Geschichtsdoku und Betroffenenreportage.
Jina Mahsa Amini tanzt vor der Kamera
Es dauert beinahe 25 Minuten, bis der Film konkret wird: Dann tanzt Jina Mahsa Amini vor der Kamera. Die junge kurdischstämmige Frau wurde zum Symbol der Proteste im Jahr 2022. Sie war von der „Sittenpolizei“ in Teheran verhaftet und misshandelt worden, weil sie angeblich ihr Kopftuch nicht ordnungsgemäß trug. Jina Mahsa Amini starb an den Verletzungen. Ihr Tod löste zunächst landesweite, dann weltweite Proteste aus, und ihr Name wurde zum Code für eine neue Bewegung zur Befreiung des Iran. Viele Mädchen und Frauen verbrannten ihre Kopftücher oder ließen sich öffentlich die Haare schneiden.
Zu einer Großdemonstration unter dem Motto „Woman – Life – Freedom“ versammelten sich allein in Berlin mehr als 100.000 Menschen. Plötzlich waren alle Differenzen vergessen, es herrschte Optimismus. Was wie der erfolgversprechende Beginn einer feministisch geprägten Revolution aussah, verpuffte allerdings angesichts der brutalen Reaktionen des iranischen Regimes. Zahllose Verhaftungen, Folterungen, Todesurteile sowie staatliche Angriffe auf Mädchenschulen waren die Folge. Das Morden ging weiter, und die Exil-Iraner in Deutschland konnten und können nur aus der Ferne mitleiden. Es fällt ihnen schwer, darüber zu sprechen. Ihre Einigkeit hat die iranische Community in Deutschland wieder verloren und ist in verschiedene Richtungen auseinandergedriftet. Damit spielen sie dem verhassten Regime in die Hände, das nichts so sehr fürchten muss wie die Einigkeit und Entschlossenheit der Proteste.
Der Film von Roxana Samadi, in dem viele Männer und Frauen zu Wort kommen, die meist schon länger in Berlin leben oder Kinder von Geflüchteten sind, ist weniger von cineastischen Ansprüchen als vom Willen geprägt, kompromisslos den Widerstand gegen das iranische Regime zu unterstützen und aktiv zum Protest und zur feministischen Revolution aufzurufen. Die Filmemacherin bemüht sich um einen positiven, optimistischen Schluss, aber angesichts der brutalen, staatlich gelenkten Gewalttaten, die sich immer noch hauptsächlich gegen Frauen und Mädchen richten, fällt es nicht nur schwer, die Fassung zu bewahren, sondern es wird auch schwieriger, die Realität im Auge zu behalten. Was ist hier überhaupt aus der Ferne möglich?
Die Hilflosigkeit, nicht eingreifen zu können
Das Leiden der Exil-Iraner, ganz gleich, ob sie schon lange in Deutschland leben oder erst seit einigen Jahren, beruht zum großen Teil auch auf der Hilflosigkeit, nicht direkt ins Geschehen eingreifen zu können. Denn allen, auch wenn sie den Iran noch nie gesehen haben, ist klar, dass nur das iranische Volk im Land selbst das islamistische Regime stürzen oder positive Veränderungen herbeiführen kann. Eine Unterstützung von außen ist dabei überhaupt nur sinnvoll, wenn sich alle Kräfte wieder zusammenfinden. Dieses Wissen ist gleichzeitig eine große Last und eine Erleichterung für die hier lebenden Frauen und Männer.
Roxana Samadi zeigt diese Widersprüche, ihr Film stellt viele Fragen – doch dabei ist er immer geprägt vom Gedanken an eine friedliche Lösung. Die Hoffnung, so heißt es, stirbt zuletzt, und Samadi, selbst Iranerin der zweiten Generation, zeigt hinter allem Leid, hinter all der Trauer und den Tränen um ermordete und gefolterte Kinder, Freundinnen und Angehörige auch den Willen, weiterzumachen und nicht aufzugeben. Für eine bessere Zukunft.