Sterben ohne Gott

Dokumentarfilm | Deutschland 2025 | 80 Minuten

Regie: Moritz Terwesten

Eine Dokumentation, die sich mit Interviews aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Richtungen der menschlichen Angst vor dem eigenen Tod nähert. Die betont rational gehaltenen Gespräche kreisen um Ohnmacht, Trost oder Verdrängung sowie um die Unmöglichkeit, als Mensch den eigenen Tod akzeptieren zu können. Oft wirken die Gespräche etwas beliebig und bewegen sich zwischen Allgemeinplätzen mit wissenschaftlichem Anstrich und anekdotischen Einlassungen. Eine glatte, Werbeclip-artige Ästhetik will die Gesprächssituationen auflockern, greift dabei aber zu naheliegenden Bildern, die den Tod zum Klischee verharmlosen. - Ab 14.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Moritz Terwesten Film
Regie
Moritz Terwesten
Buch
Moritz Terwesten
Kamera
Christopher Uhring
Musik
Abdel Lamar · Salah Lamar
Schnitt
Christopher Uhring · Moritz Terwesten
Länge
80 Minuten
Kinostart
13.03.2025
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
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TMDB

Doku über die menschliche Angst vor dem Tod und betont rationale Versuche, damit umzugehen.

Aktualisiert am
11.03.2025 - 10:15:12
Diskussion

Was unterscheidet den Menschen von anderen Lebewesen? Der Sozialpsychologe Sheldon Solomon meint, dass es das Wissen um den eigenen Tod sei. Diese These steht am Anfang der Dokumentation „Sterben ohne Gott“, die der menschlichen Angst vor dem Tod auf den Grund gehen will. Regisseur Moritz Terwesten hat sich damit ein großes und schweres Thema vorgenommen, das er jedoch betont sachlich und salopp behandelt. Sein Film nähert sich mit seinen Gesprächspartnern aus unterschiedlichen Richtungen dem Sterben. Neben Solomon kommen dabei unter anderem auch der Bestatter Eric Wrede, der Filmemacher Jörg Buttgereit, der Philosoph Franz Josef Wetz und der Physiker Lawrence Krauss zu Wort.

Doch der Film stößt bald auf das Dilemma, dass es einem Lebewesen, dessen Kern der Überlebenstrieb ist, gar nicht möglich ist, die eigene Endlichkeit zu akzeptieren. Der Tod ist so ungeheuerlich, unkontrollierbar und unvorhersehbar, dass man noch so viel über ihn nachdenken kann, ohne dass er etwas von seiner banalen Schrecklichkeit verliert. Nicht einmal die Superreichen, die mit aufwändigen Methoden dem Tod ein Schnippchen zu schlagen versuchen, können dem ewigen Gleichmacher entgehen. Der Biologe Mark Benecke bezeichnet solche Versuche denn auch kopfschüttelnd als Verschwendung von kostbarer Lebenszeit.

Die Endlichkeit erträglicher machen

Ein Leitmotiv der Interviews ist die mal natürliche, mal künstlich geschaffene Distanz zum Tod, durch die der Gedanke an die eigene Endlichkeit erträglicher werden soll. Keine Angst vorm Sterben haben in der Regel junge und gesunde Menschen, weil für sie das Sterben noch fremd und abstrakt ist. Allen anderen bleibt als Strategie oft nur, das Faktum zu beschönigen und zu verdrängen. Als populäres Beispiel dafür nennt der Philosoph Wetz die romantisierende Formulierung „Hier ruht in Frieden“, die man auch durch ein nüchtern realistisches „Hier fault in Erde“ ersetzen könnte.

Das wirkmächtigste Mittel gegen die Angst vor dem Sterben scheint der Trost zu sein. Mehrmals kommt in „Sterben ohne Gott“ die Sprache auf Religionen, die die Furcht vor dem Tod mildern, indem sie ihm seine Endgültigkeit nehmen. Der Film selbst nimmt eine betont atheistische und rationale, mal betont lockere, dann wieder akademisch blasierte Perspektive ein. Manches von dem, was hier zur Sprache kommt, ist interessant oder gut auf den Punkt gebracht. Etwa dass man mit dem Tod vielleicht besser umgehen kann, wenn man versucht, sich ihm auf eine unsentimentale Weise zu nähern. So erzählt der Regisseur Jörg Buttgereit davon, wie die filmische Rekonstruktion eines Verwesungsprozesses ihm half, den Tod seiner Mutter besser akzeptieren zu können.

Anekdoten & Allgemeinplätze

Insgesamt bewegt sich der Wortschwall von „Sterben ohne Gott“ jedoch primär zwischen Allgemeinplätzen mit wissenschaftlichem Anstrich und Anekdotischem. Trotz der Kapiteleinteilung wirken die Interviews und Themen, aber auch die Gesprächspartner ein wenig beliebig gewählt. Da oft allgemein und abstrakt gesprochen wird, gibt es einen Hang zum ziellosen Schwadronieren. Am stärksten zeigt sich das bei eingestreuten Straßeninterviews, die wohl als bodenständig-emotionaler Gegenpol zu den oft arg abgeklärten Gesprächen gedacht sind. Die große Frage nach der Angst vor dem Tod führt jedoch schon durch die spontane Situation zu naheliegend schwammigen Antworten. Die extremen Großaufnahmen unterstreichen dabei noch den küchenpsychologischen Charakter.

Anders als es die Härte des Filmtitels und die Interviews, die mit dem Selbstverständnis geführt werden, etwas Verdrängtes ins Bewusstsein zurückzuholen, nahelegen, haftet dem Film etwas Kitschig-Versöhnliches an. Durch den Einsatz von Schwarz-weiß bedient sich „Sterben ohne Gott“ eines morbiden, der Gegenwart entrückten Looks. Letztlich aber packt Terwesten das Thema in eine fluffige, Werbeclip-artige Ästhetik, die den Tod zum Klischee verharmlost. Der Versuch, die statischen Gesprächssituationen aufregender zu gestalten, mündet zumeist in glattgebügelte Bilder von gebrechlichen Körpern, Krankenhäusern, Friedhöfen und Totenköpfen.

Mit knöchrigen Figuren

Hübsch sind hingegen die verspielt-makabren Animationen von Arda Killic, die mit ihren knöchrigen Figuren an Saul Bass’ Vorspann in „Anatomie eines Mordes“ erinnern und sich im Laufe des Films immer wieder ins Bild schieben. Allerdings gibt es bei der visuellen Umsetzung von „Sterben ohne Gott“ ein grundsätzliches Problem: Die Bilder verleihen dem Film keine zusätzliche Ebene, sondern dienen lediglich dazu, im denkbar buchstäblichsten Sinne das zu illustrieren, was gerade gesagt wurde. Das wirkt im Verbund mit den teilweise recht geschwätzigen und erkenntnisarmen Interviews auf Dauer ein wenig frustrierend.

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