Auf dem eigensinnigen Plakat des Internationalen Frauen Film Festivals, das in diesem Jahr vom 1. bis 6. April in Dortmund stattfindet, krabbelt ein flauschiger Tonpuschel über eine zitronengelbe Silberleinwand. Gleich will er sich einspinnen und im Kino dann das Publikum verwandeln. Ähnlich kreativ verspricht das Programm des IFFF zu werden, das rund 100 Filme von und mit Frauen versammelt.
Am Dienstag, 1. April, startet in Dortmund das Internationale Frauen Film Festival (IFFF), das bis zum 6. April eine Fülle an Filme präsentiert, die von Frauen konzipiert, produziert, gedreht, promotet und vertrieben werden. Insgesamt sind es rund 100 Werke, mit einem Spielfilm-Wettbewerb, einer queeren Filmreihe, der beliebten Dokumentarfilm-Sektion und einem neuen Filmpreis, der unter dem Titel „Female Gaze“ an Filmgestalter:innen geht. Plus eine Menge an Specials, Veranstaltungen, Galas und Events.
Das eigensinnige Festivalplakat kündigt in Motiv und Farbwahl den Frühling an. Eine zitronenfaltergelbe, computergenerierte Welt spielt mit der Fantasie und bindet überdies filmische Elemente ein. Ein Tonpuschel wird zum flauschigen Raupenkörper, der sich auf der perforierten Silberleinwand niedergelassen hat. Offensichtlich geht es um Neuanfang und Wandel. Und um den Kreislauf der Kreativität: von der Raupe zum Kokon zum Schmetterling – und wieder von vorne. Vielleicht ist ja auch das Kino ein Kokon? Es entpuppt sich und lässt das Publikum verwandelt zurück.
Ein harter Kampf
In der Wirklichkeit ist es allerdings ein harter Kampf, der sich für Frauen in der Filmbranche noch viel härter als für ihre männlichen Kollegen darstellt. Der erste und manchmal auch zweite Film lassen sich noch mit viel Engagement und extremer Selbstausbeutung noch auf die Beine stellen. Doch dann folgt oft eine große Lücke. Das zeigen die Einreichungen der letzten Jahrgänge im IFFF; die zeitlichen Abstände zwischen den Filmen werden immer größer. Die zumal für Frauen entscheidende Hürde besteht darin, nach der Newcomer-Phase weiter kontinuierlich Filme zu drehen.
Diese Entwicklung will das IFFF insofern aufgreifen, als in Dortmund im Wettbewerb nur Beiträge ab dem dritten langen Spielfilm laufen. Damit präsentiert die Dortmunder Ausgabe des IFFF-Festivals vorrangig etablierte Filmemacherinnnen, während der Debütspielfilm-Wettbewerb im Jahr 2026 in Köln nur für ersten und zweite Kinospielfilme offensteht. Unter den nominierten Filmen in Dortmund finden sich so etwa die neuen Werke von Sudabeh Mortezai („Europa“), Asli Özge („Faruk“) und Athina Rachel Tasangari („Harvest“).
Im Unterschied zu allen anderen Programmen wird das Filmprogramm für Kinder und Jugendliche mit dem Titel „Hey, Hi, Hello“ sowohl in Dortmund als auch in Köln gezeigt. Es setzt stark auf Dokumentarfilme und kurze Formate, die in ihrer großen Bandbreite die Vielfalt filmischer Formen besonders gut erlebbar machen. Inhaltlich geht es oft um junge Protagonist:innen, die sich nicht in Rollen zwängen lassen. In einer komplexen Welt suchen sie nach Orientierung und wachsen an ihren Herausforderungen.
So ist eine jugendliche Protagonistin extrem schockiert, als sie hört, dass ein Hacker Nacktfotos von ihr im Netz verbreitet. Sie nimmt den Kampf gegen die Windmühlen auf und stellt fest, dass Tausende andere auf der ganzen Welt auf die gleiche Weise erpresst werden. „My Sextortion Diary“ von Patricia Franquesa thematisiert dabei Fragen von digitaler Gewalt, Macht und Ohnmacht, Scham und Selbstermächtigung. In Das leere Grab von Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay geht es hingegen um ein verdrängtes Kapitel der deutschen Kolonialherrschaft in Tansania. Die Gebeine der Vorfahren aus den Familien Bnano und Kayaa wurde Anfang der 20. Jahrhundert für rassistische Forschung nach Deutschland geschafft. Heute kämpfen die Angehörigen um eine Rückführung der sterblichen Überreste ihrer Ahnen.
Ein Herz fürs Lokale
Auch in der Reihe „Panorama“ stößt man auf viele Dokumentar- und Experimentalfilme. In neun Programmen laufen Filme, die häufig das Zeitgeschehen reflektieren. So geht Martina Priessner in „Die Möllner Briefe“ jenen Solidaritätsschreiben nach, die nach den rassistischen Brandanschlägen 1992 in Mölln im Stadtarchiv verschwanden und erst jetzt an die Angehörigen ausgehändigt werden – mehr als drei Jahrzehnte nach dem schrecklichen Terroranschlag. In „Union“ dokumentieren Brett Story und Stephen Maing den Arbeitskampf bei Amazon in New York. Und Sabine Herpich porträtiert in „Barbara Morgenstern und die Liebe zur Sache“ die Musikerin und ihre Leidenschaft fürs Tonale.
In der Sektion „Spot on, NRW!“ versammelt das IFFF auch Filme aus der Region. Im Fokus steht dabei ein Meilenstein der unabhängigen Filmszene: der Verein Freie Szene Film Dortmund. Mit Open-Air-Kinos auf öffentlichen Plätzen, Kinoprogrammen, Workshops und Netzwerktreffen unterstützt der Verein die lokale Filmszene und macht mit deren Werken bekannt. Das Festival präsentieren ein Kurzfilmprogramm mit sechs Beiträgen von Dortmunder Filmemacher:innen, die sich im Spannungsfeld zwischen der Suche nach Schutzräumen und dem Erobern neuer Orte bewegen.
Hinweis
Weitere Informationen und alle Details über Termine, Tickets und tausend andere Dinge findet man auf der Website des International Frauen Film Festivals.