Es ist alles gesagt, und es ist alles gezeigt. Kaum noch gibt es Bereiche des Lebens, die nicht bereits gefilmt worden wären. Sexualität, Geburt und Tod sind als Sujets des Dokumentarischen keine Tabus mehr. Der Veröffentlichung des Privaten steht fast nur noch die Verschwiegenheit des Öffentlichen gegenüber. Die Macht des Staates, so referierte der Essener Literaturwissenschaftler Manfred Schneider (der zusammen mit Klaus Theweleit und Karl Heinz Bohrer eingeladen worden war, über "Die Faszination des Bösen" zu sprechen), sei abstrakt geworden und ohne Referenz, und wo das Recht die körperliche Gewalt immer stärker zu verbannen versucht, wächst ihre Darstellung und liefert die letzten Bilder der Macht. Die Neonazis, die dieses Manko in der Referenz des Staates ausfüllen wollen, so fuhr Schneider mit Blick auf den Dokumentarfilm fort, sollten "in die Bilder eintreten", und die Filme sollten so statisch sein, daß sich das Bild des Bösen in ihren langen Einstellungen "durch Dauer selbst verzehrt".