© Universal (Lily-Rose Depp in „Nosferatu“)

Mit dem „Silberling“ ausgezeichnet: „Nosferatu - Extended Cut“

Die 4K-UHD-Edition sowie die Blu-ray-Edition von Robert Eggers' Vampirfilm-Neuauflage "Nosferatu" bestechen unter anderem durch einen erhellenden Audiokommentar.

Aktualisiert am
06.04.2025 - 10:50:38
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DVDs, Blu-rays und 4K-UHD-Veröffentlichungen sind nicht nur Trägermedien für Filme, sondern bieten durch ihre Aufmachung und ihr Bonusmaterial einen beträchtlichen Mehrwert. Die besten dieser Editionen werden von filmdienst.de mit dem „Silberling“ ausgezeichnet. Im April 2025 bekommen die 4K-UHD- sowie die Blu-ray-Edition von Robert Eggers' „Nosferatu“ das Gütesiegel, nicht zuletzt wegen eines erhellenden Audiokommentars.


Manches erkennt man erst mit einem gewissen Abstand, bei kritischer Betrachtung. Manches hätte Robert Eggers Im Rückblick bei „Nosferatu“ wohl anders gemacht, gut ein halbes Jahr nach der Premiere. Aber das lässt sich nicht mehr ändern. Etwa der rauchige Dunst in der winterlichen Tavernenszene, als Thomas Hutter auf dem Weg nach Transsilvanien zu seinem Auftraggeber Graf Orlok im Gasthof übernachtet. Überhaupt: Der viele Dunst in den Räumen sei kontraproduktiv. Das fällt dem 41-jährigen Regisseur beim Neusehen seines Films jetzt auf, der seit seiner Kindheit ein Herzensprojekt war. Im Audiokommentar der Heimkinoausgabe (seit 3.4. beim Label Universal) spracht Eggers nicht mit kritischen Anmerkungen über Dinge, die er jetzt anders inszenieren würde. Aber im Großen und Ganzen ist er zufrieden.


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Manchmal gibt es Audiokommentare, die steif oder allzu mäandernd wirken, wenn sich Regisseure in Anekdoten verlieren oder Experten über all ihrem Fachwissen den Bezug zum Film verlieren. Im Falle von „Nosferatu“ ist das anders. Robert Eggers nimmt sich bei seinem Audiokommentar sehr zurück und wirkt unaufgeregt; doch wenn er erzählt, dann immer nah am Film, selten zum Drumherum. Auf Lobhudeleien verzichtet er (die findet man eher im 40-minütigen „Making of“ der nun erschienenen Heimkino-Edition).

Stattdessen bevorzugt er die fundierte, genaue, kritische Betrachtung und würzt sie mit detailreichen Informationen. Nicht über die Befindlichkeiten der Mitwirkenden oder über die Metaebenen einer möglichen Filminterpretation, sondern handfest zur filmhandwerklichen Sache. Wo ist das Gesehene gedreht, was ist besonders im Detail, wer spielt die kleine Nebenrolle rechts im Bild? Wer kommt aus Rumänien, wer aus Tschechien, welchen Dialekte sind zu hören, welche Schriftzeichen kann man sehen, welche Straßenzüge wurden minutiös in den Prager Studios gezimmert – und wie ist all das komponiert?

Lily-Rose Depp in "Nosferatu" (UPI)
Lily-Rose Depp in "Nosferatu" (© UPI)

Man hört dem Regisseur gerne zu, wie er im Laufe der 136 Minuten auftaut und dann doch ab und zu nicht nur kritisch, sondern auch emphatisch wird. Es ist ein Audiokommentar aus dem Bauch heraus, nicht abgelesen und wohl auch kaum redigiert. Das merkt man, wenn Eggers kurz einmal unwidersprochen James Bernard mit Bernard Herrmann verwechselt, der als Komponist eher zu Hitchcock und nicht wie Bernard zu den „Hammer“-Horror-Produktionen gehört.

Das beiläufige Wissen von Eggers ist eindrucksvoll und angenehm unaufdringlich. Etwa wenn er über jene vier Minuten erzählt, die er in seinen „Extended Cut“ zusätzlich integriert hat. Zumeist Dialogpassagen, in denen Willem Dafoe als Professor Albin Eberhart von Franz über das Okkulte spricht. Auch ein wunderbar montierter Schwenk durch Raum und Zeit ist im Finale wieder enthalten. Im Nachhinein hatte er sich geärgert, dass er ihn aus der Kinofassung entfernt hatte.

Dazu kommen Eggers beiläufige Kommentare: „Das ist das erste Mal, dass Bill der Figur etwas mehr emotionale Tiefe verleiht, etwas mehr Verletzlichkeit“ – bezogen auf die Szene, in der Graf Orlok (Bill Skarsgård) das erste Mal Ellen Hutter (Lily-Rose Depp) im Schlafzimmer gegenübersteht. „Kinskis trauriger Vampir hat damals wirklich gut funktioniert. Und die Coppola-Version hat diese tolle Romanze, die auf der Jack-Palance-Version von Dan Curtis aus den 1970er-Jahren basiert. Aber als die Vampire sich zu kompletten Helden wie Edward Cullen in ‚Twilight‘ entwickelten, war es mir sehr wichtig, wieder einen superdämonischen Bastard als Bösewicht zu haben.“ Hier hat man in einem Satz alle wichtigen Vampirfilme der Neuzeit phänomenologisch versammelt. Eine der wenigen interpretierenden Einlassungen von Eggers, von einem Nerd für die Nerds, zumal er danach auch noch den Bogen zu Heathcliff in William Wylers „Sturmhöhe“ von 1939 zieht.

Dieser Audiokommentar von Robert Eggers ist außergewöhnlich. Allein schon dieses Extra macht den „Extended Cut“ als Blu-ray besonders. Wenn man dann den Film auch noch in der atemberaubenden 4K-Version mit Dolby-Atmos-Sound wiedersieht, dann erkennt man, was "Nosferatu" so einzigartig macht.



Diskografischer Hinweis

Nosferatu - Der Untote. Regie: Robert Eggers. Mit Aaron Taylor-Johnson, Bill Skarsgård, Nicholas Hoult, Lily-Rose Depp. FSK: ab 16. Anbieter: Universal (Extended Cut und Kinofassung). Veröffentlichungstermin: 3. April 2025.

Zu den Bonusmaterialien zählen das sechsteilige Making-of „Nosferatu: A Modern Masterpiece” (41 Min.), ein Feature mit drei im Film nicht verwendeten Szenen (6 Min.) sowie ein deutsch untertitelbarer Audiokommentar mit dem Regisseur Robert Eggers.

Die 4K-UHD-Edition ist mit dem Silberling 2025 ausgezeichnet.

Bezug: in jeder Buchhandlung oder hier.

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