Tomi Ungerers Bilderbuch-Klassiker erschien 1966 zu einer Zeit, die noch deutlich vom Muskelspiel der beiden Supermächte dominiert war. Und: Es war das Jahr, in dem die USA erstmals eine Sonde weich auf dem Mond landen ließen. Ungerers liebeswürdiger, ebenso arg- wie ahnungsloser Mondmann besaß damals noch eine andere Relevanz; als er aus purer Langeweile seinen Trabanten verließ und auf der unsicher gewordenen Erde zum Spielball machtlüsterner Politiker wurde, da leuchtete sein symbolischer Stellenwert als „Botschafter“ in der Tradition des Kleinen Prinzen schnell ein. Stephan Schesch geht heute vergleichsweise verspielt mit dem Sujet um, feiert vor allem Ungerers grafische Qualitäten, an die er sich deutlich anlehnt und sie zu einer schillernden, zeichnerisch mitunter recht eigenwilligen Kinofabel weitet, die viel Liebe zu Details aufweist. Vor allem aber steht nun die zögerlich aufkeimende, dann immer unverbrüchlicher werdende Freundschaft des Mondmannes mit dem alten Erfinder Bunsen van Dunkel im Zentrum, die über alle Machenschaften und Intrigen des Präsidenten triumphiert. Sozusagen am Rand dieser Geschichte fährt ein Mädchen mit seinem Vater im offenen Straßenkreuzer durch die Sommernacht, besucht ein Autokino, trauert (wie alle Kinder) wehmütig dem verschwundenen Mondmann nach und scheint in einem schönen, seltsam trägen „Nacht-Tag-Traum“ gefangen, der den Film besser charakterisiert als seine sanft mäandernde Handlung. Besonders durch sein ausgefuchstes Klang- und Musikdesign überzeugt „Der Mondmann“ als poetisch-versponnenes Spiel, das mitunter sogar virtuos auf Iron Butterflys „In-A-Gadda-Da-Vida“ zurückgreift.