Filmnotizen aus Cannes III

Barfuß zum Glück

Es kommt eher selten vor, dass Festivalfilme glücklich machen. Doch nach „All of a Sudden“ des japanischen Regisseurs Ryusuke Hamaguchi schwebte halb Cannes einige Zentimeter über dem Boden, weil sein sanfter Humanismus dem Tragischen nicht das letzte Wort überlässt. Filme über die deutsche Geschichte wie „Heimsuchung“ von Volker Schlöndorff oder „Fatherland“ von Paweł Pawlikowski greifen hingegen in dunklere Register.

Von Josef Lederle

Sehenswerte Filme

Glennkill: Ein Schafskrimi

  • Großbritannien 2026
  • R: Kyle Balda
  • Mit: Hugh Jackman

Ein Schäfer in der irischen Provinz liest seinen Tieren regelmäßig Krimis vor. Als er eines Tages ermordet wird, übernehmen die unbedarften Tiere die Ermittlungen und suchen den Täter unter den kauzigen Dorfbewohnern, von denen fast jeder ein Motiv hat. Dem Einsatz der Schafe begegnen die Menschen zunächst allerdings mit völligem Unverständnis. Eine warmherzige Krimikomödie in nostalgischem Ambiente. - Ab 12.

Innere Emigranten

  • Deutschland 2026
  • R: Lena Karbe

Ein Dokumentarfilm über ehrenamtliche Moskauer Psychologen, die seit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eine Krisenhotline betreiben und Menschen in unterschiedlichsten Notlagen psychologisch betreuen. Zwischen Anpassung, Wut und stiller Verweigerung entstehen sehr unterschiedliche Haltungen zu Berufsausübung und System. - Ab 14.

Was an Empfindsamkeit bleibt

  • Deutschland 2026
  • R: Daniela Magnani Hüller

In zirkulären Bewegungen rekonstruiert eine Filmemacherin den versuchten Femizid, den sie 14 Jahre zuvor als Schülerin überlebte. Abseits einer polizeilichen Protokollierung stellt sie ihre eigenen Erinnerungen und Wahrnehmungen in den filmischen Raum und ergänzt diesen durch eine Außenperspektive. Ein sehr persönlicher Film über strukturelle patriarchale Gewalt. - Ab 16.

Lexikon des internationalen Films

"Dogma 25 Germany" in Cannes präsentiert

Bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes haben fünf deutschsprachige Regisseure und Regisseurinnen bekannt gegeben, jeweils einen Film unter den sogenannten „Dogma“-Regeln realisieren zu wollen. Dabei orientieren sie sich an dem radikalen Manifest „Dogma 95“, das vor 30 Jahren von dänischen Filmemachern unterzeichnet wurde.

Von Felix Knorr

Julia Ducournau

Wenn man einen Horrorfilm schaut, macht man eine Art Reinigung durch. Man erlangt Kontrolle über seine Ängste, egal ob rational oder irrational. Ich schätze das sehr. Aber es ist eine Katharsis: echte Angst, wenngleich in einem sicheren Raum.

Neu in Mediatheken

Wer ohne Schuld ist

  • Deutschland 2024
  • R: Sabrina Sarabi
  • Mit: Aaron Hilmer
Drama um einen Kindergärtner, der mutmaßlich einen Mord begangen hat.
Bis 7.5. in der ARD-Mediathek

The Big Lebowski

  • USA 1997
  • R: Joel Coen
  • Mit: Jeff Bridges
Fabulierfreudige Variante eines modernen Schelmenromans.
Bis 14.6. in der arte-Mediathek

One of These Days

  • Deutschland 2019
  • R: Bastian Günther
Rabenschwarze Milieustudie aus der texanischen Provinz.
Bis 15.6. in der ARD-Mediathek

TV aktuell

Panische Zeiten (NDR)

  • Deutschland 1988
  • R: Udo Lindenberg
Ein witziger Selbstdarstellungsfilm über Udo Lindenberg.
18.5., 23.15-00.55, NDR

DVD | BD | Streaming Tipps

The Librarians

  • Bei filmfriend: Dokumentarfilm über Schulbibliothekarinnen, die sich in einigen US-Bundesstaaten gegen Versuche von Interessengruppen und Behörden wehren, zum angeblichen Schutz von Kindern unliebsame Bücher zu verbannen.

Der Fremde

  • Auf DVD & digital: In exquisiten Schwarz-weiß-Bildern gefilmte Adaption des berühmten Romans von Albert Camus.

Das Glück hat acht Arme

  • Bei Netflix: Fantasievolles Außenseiterdrama über eine einsame Witwe und einen jungen Gitarristen, die sich auf mysteriöse Weise mit einem großen Oktopus anfreunden.

La Grazia

  • Bei MUBI: Paolo Sorrentinos Drama um einen fiktiven italienischen Staatspräsidenten, der in seinen letzten Tagen im Amt ein Gesetz zur Legalisierung von Sterbehilfe unterzeichnen und über zwei Gnadengesuche entscheiden soll, während er mit seiner eigenen Vergänglichkeit konfrontiert wird.

Therapie für Wikinger

  • Auf DVD/BD & digital: Schwarzhumoriges Drama um eine Handvoll auch psychisch gestörter Außenseiter, die im Wald nach der Beute aus einem Raubüberfall suchen.

Filmdienst Newsletter abonnieren

Erhalten Sie wöchentlich Empfehlungen, Kino-Neustarts und Interessantes aus der Filmkultur.

auch interessant

Whistle

Kanada 2025
R: Corin Hardy
Mit: Dafne Keen

Solo Mio

USA 2026
R: Charles Francis Kinnane
Mit: Kevin James